Dienstag, 24. Mai 2011

Moçambique: 21.04.11 –20.05.11

Auch die Einreise verlief zügig – abgesehen von der Unfreundlichkeit der Beamten – und professionell: Fingerabdrücke und Digitalfoto zur erhöhten Sicherheit, man kann ja nie wissen. Auf bester Teerstrasse fuhren wir bis Chimoio, wo wir wiederum Geld wechselten, tankten und die Vorräte auffüllten. Bereits seit langer Zeit studierten wir lange an der Frage herum, ob wir ca. 1000 km in den Norden zur Ile de Mocambique (und den gleichen Weg zurück) fahren wollten oder nicht. Da wir in Tanzania schon Zansibar ausgelassen haben, drehten wir in Inchope nordwärts und stellten uns auf vier Tage Autofahren ein. Doch bereits nach einem Tag hatten wir derart genug, dass wir wiederum Planänderung machten: kehrtum und ab in den Süden, endlich ans Meer…daher gleicher Weg zurück nach Inchope und von da nach Inhassoro, wo wir auf einem schönen Camping direkt am Meer unser Lager aufschlugen. Kaum hatten wir den Motor abgestellt, kam auch schon ein Junge, um uns eine Bootsfahrt zur Paradise Island anzudrehen. Da wir solch aufdringlichen Typen a priori einen Korb geben, zog er verärgert von dannen. Spät abends bekamen wir noch drei Nachbarn, welche am nächsten Tag Interesse an der Paradise Island bekundeten. So kam es, dass wir doch mit diesem Schmierlatz einen Deal machten und er uns fünf in seinem Böötchen eine Stunde hin und wieder zurück zur Insel schipperte.

Paradise Island
Diese kleine Insel im Indischen Ozean, welche zum Bazaruto Archipel gehört, trägt ihren Namen nicht umsonst: türkisfarbenes, lauwarmes Wasser, Unterwasserwelt schier unbeschreiblich. Dutzende, nein hunderte von farbigsten Fischen jeder Grösser tummelten sich wie in einem riesigen Aquarium um die Felsen und wir mittendrin. Ausgerüstet mit Taucherbrille und Schnorchel erlebten wir bislang unser grösstes Unterwasser-Schnorchel-Highlight. Vom Feuerfisch über Steinfisch, Schwärme von gelben, blau schimmernden, getupften, gestreiften – ich weiss doch deren Namen nicht! – Fischen, Seesterne, Seegurken….und beim Heimfahren erst noch Delphine! Das erste Mal bedauerten wir, dass wir keine Unterwasserkamera besitzen…Voll in Ferienstimmung liessen wir diesen wunderbaren Tag an der Johnson’s Bar bei einem kühlen Bier und einem Teller Prawns an Knoblauchmarinade ausklingen :-).

Der nächste Tag war wieder den grösseren und kleineren Arbeiten rund um Dotschli gewidmet. Waschen, Nähen, Schrauben, Backen, Ausruhen… Ah nein, gewaschen haben wir dieses Mal nicht selber: Schwarze bieten hier den Campinggästen ihre Dienste an. Von erwähntem Waschservice bis hin zur allgemeinen Haushaltshilfe (welche von südafrikanischen Gästen oft genutzt wird) wird alles angeboten. Als wir der Frau die Wäsche übergaben und den Preis ausgehandelt hatten, streckte sie wiederum die Hand hin, wir sollten ihr zusätzlich Geld geben, um auf dem Markt Waschmittel zu kaufen. Als wir ihr unsere Seife gaben, war sie nicht zufrieden, so dass wir ihr von unserem Handwaschmittel gaben (von welchem sie wohl nur die eine Hälfte für unsere Wäsche brauchte und die andere Hälfte nach Hause nahm…). Gross war das Erstaunen, als sie bereits nach einer halben Stunde mit unserer gesamten Wäsche fertig war (Corinne braucht dafür den halben Tag, dafür ist die Wäsche dann mehr oder weniger sauber). Gleiches Muster erlebten wir tags darauf, als wir eigentlich erneut einen Tag auf Paradise Island geniessen wollten: als wir zum Strand kamen, um ins Böötchen zu steigen, sagte uns einer der Jungen, dass wir ihm Geld für Benzin geben sollten – nein, der Preis sei ohne das Benzin abgemacht gewesen, was natürlich nicht stimmte…verärgert teilten wir ihnen mit, dass wir damit nicht einverstanden wären und gingen wieder zum Camping zurück – eine viertel Stunde später kam dann doch der eine Junge und sagte, dass er nun von seinem Geld (….) Benzin holen gehe. Nach einer weiteren Viertelstunde tauchte er wieder auf und sagte, dass im ganzen Dorf kein Benzin aufzutreiben sei….so dass wir nicht auf die Insel fuhren (was uns aber nach dem ganzen Gestürm auch egal war…).

Von unserer überaus netten und hilfsbereiten südafrikanischen Camping-Nachbarin auf der rechten Seite wurden wir eines Morgens mit einem ca.1 kg grossen Filet eines roten Thunfisches beschenkt – ihr Mann fahre jeden Tag Hochseefischen und bringe mehr als genug nach Hause. Wow, so was hatten wir noch nie gesehen oder gegessen – eine wahre Gaumenfreude! Die Gastfreundschaft unserer südafrikanischen Nachbarn auf der linken Seite durften wir am nächsten Abend erfahren: Gin-Tonic offeriert und überaus interessante Gespräche über Südafrika, die Apartheid, momentane Regierung Südafrikas und deren Probleme…die Freundlichkeit und Offenheit der südafrikanischen Landsleute überraschte uns wahrlich.

Vilanculos
Nach fünf Nächten in Inhassoro zog es uns weiter südlich nach Vilanculos. In einem Backpacker fanden wir eine nette, aber laute Bleibe – wir sind nicht mehr 18 und haben auch noch andere Interessen als Alkohol und laute Musik bis in die Morgenstunden. Trübes Wetter und gesalzene Preise hielten uns von einem weiteren Trip zum Bazaruto Archipel ab, so dass wir uns mit frischen Lebensmitteln eindeckten und das nächste Ziel ansteuerten: Pomene. Die ersten 40 km nach der Abzweigung ab der Hauptstrasse war passabler Offroad, doch danach verschlechterte sich der Weg wieder zusehends: Weichsand, Gestrüpp rechts und links des Weges, wir hatten die Irrfahrt im Chimanimani-Gebiet noch sehr gut in Erinnerung. Nachdem wir Eintritt bezahlt hatten, um überhaupt in das Pomene- National-Reserve hineinzufahren, fragten wir uns schon, ob das wieder eine solche üüüüble Sackgasse würde – unser Mut sank von Neuem. Teilweise in der Untersetzung und mit eingeschalteten Achs-Sperren pflügte sich Dotschli tapfer vorwärts. Einzelne Strohhütten links und rechts, wir hatten Pomene erreicht, entdeckten wir plötzlich ein weiteres Auto parkiert und deren Besitzer an einer kleinen Bar. Wir schlossen uns an und erfuhren von wiederum sympathischen Südafrikanern, dass die Pomene-Lodge nicht mehr allzu weit entfernt liege und wunderschön sei. Wir verabredeten uns mit ihnen und fuhren zu dieser Lodge. Nicht zuviel versprochen, wir landeten im Paradies: weicher, weisser Sand, Palmen, eine Luxus-Lodge aber mit angeschlossenem Camping – und nach Corinnes super Preisverhandlungen auch für uns bezahlbar. Die Lodge liegt auf einer Sand-Zunge, welche von Meer umspült wird – Strand rechts und links, je nach Sonneneinstrahlung Morgens oder Nachmittags, Pool direkt am Wasser…schier unbeschreiblich und für uns bislang nur in Prospekten zu sehen. Das hielten wir aus – eine Woche, auch wenn das Wetter zeitweilig nicht mitmachte und uns einen Tag Regen bescherte. Die netten Südafrikaner luden uns erst noch zu sich nach Pilgrims Rest ein - eine Goldgräberstadt in der Nähe des Krüger-Nationalparks – ohnehin mehr oder minder auf unserem geplanten Weg.

Pomene Lodge
Die nächste Etappe führte uns nicht weit von Pomene nach Morrungulo. Doch eben, wie das so ist: wenn man an einem so schönen Ort wie Pomene war, kanns fast nur schlechter kommen. Der Camping war nicht direkt am Meer und ziemlich ausgestorben, weshalb wir nur eine Nacht blieben. Auch der nächste Tag forderte unsere Nerven wieder ein bisschen: der neue T-max Kompressor zum Füllen der Reifen gab seinen Geist auf – dies notabene nach ca. dreimaligem Gebrauch…dass ich sogar von Afrika aus Mängelrügen schreiben müsste, hätte ich auch nicht gedacht :-).

Weiter fanden wir heraus, dass ganz üüüüüüüble Gauner an unsere Ersparnisse wollten: mein Vater schickt mir regelmässig Bankauszüge per mail und so bemerkten wir, dass während eines Cash-Bezuges an einem Bankomaten unsere Kartendaten der Postcard kopiert worden sind und damit mehrere Male Geld abgehoben wurde, ohne dass wir etwas davon merkten. Zum Glück konnte mein Vater die Karte sofort sperren und so den Schaden in Grenzen halten…bislang haben wir nur in Foren von solchem Kartenbetrug gelesen und nun tappten wir selber hinein! Ich kann mir weiterhin nicht vorstellen, wie diese Gauner das gemacht haben, weil ich die Postcard weder jemandem ausgehändigt habe noch wurde diese im Automaten zurückbehalten – es muss wohl ein Datenlesegerät im Automaten installiert worden sein…welcome to africa ein weiteres Mal :-)! Nun hoffen wir, dass Postfinance uns etwas entgegenkommt und wir den Schaden nicht alleine tragen müssen.

Wir schlugen unser nächstes Lager in Punta de Barra auf, wo wir tauchen wollten. Wieder einen Strich durch unsere Rechnung: no dive with mephaquine, unserer Anti-Malaria-Prävention…mist! Nach einer zusätzlichen Woche ohne Medi könnten wir tauchen kommen, hiess es im Barra Dive Center. Also buchten wir eine Ocean Safari, zwei Stunden auf See mit geplantem Schnorcheln neben Walhaien und Mantas. Doch wie ging das nun schon wieder mit Afrika? Es kommt anders, als wir meinen: weder Manta noch Walhai, einfach nix haben wir gesehen. Als Trostpreis durften wir eine viertel Stunde am Hausriff schnorcheln, doch auch das hat uns nicht umgehauen, im Gegenteil: die Quallen trugen das ihrige bei. OK, war wohl nix – next try another day. Unglück im Wasser, Glück an Land: das Lighthouse Camp erwies sich als wunderschöner Camping mit netter Führung und dank Nebensaison waren wir wiedermal alleine. Das junge Camp-Katerchen Tiger sowie der Junge Hund Lucia schlossen wir – und wohl auch umgekehrt – in unsere Herzen und schon vom ersten Tag an wurden wir Abends jeweils, fast wie zu Hause, freudig erwartet.

Am nächsten Tag marschierten wir dem Strand entlang nach Tofo – 1.5 Stunden einen Weg -, wo wir die dortigen Tauchschulen aufsuchten. Höhere Preise, aber keine Einschränkungen bezüglich Malaria-Prophylaxe. Also buchten wir zuerst eine erneute Ocean-Safari, bevor wir das Tauchen in Angriff nahmen. Die Walhaie und Mantas waren uns auch dieses Mal nicht gut gesinnt: ausser extremem Seegang und vereinzelten Delfinen sahen wir wiederum nichts. Also gut, dann gehen wir halt UNTER Wasser…und getreu diesem Motto buchten wir für den kommenden Tag den ersten Tauchgang. Nun gewöhnten wir uns schon fast daran, täglich die drei Stunden Spaziergang von Barra nach Tofo und retour zu machen – ein bisschen Bewegung schadet nie. Der Tauchgang Nr. 1 war für Corinne und mich wiederum ein neues Erlebnis: nicht unbedingt der Unterwasserwelt wegen, sondern der Strömung wegen. Negative Entry (= rückwärts ins Wasser und sofort runter) und das recht starke Schaukeln auch auf 14 Metern Tiefe waren doch gewöhnungsbedürftig. Wir durften eine Schildkröte, Rochen, Muräne, Löwenfisch und X andere Fische bestaunen…das Riff selber hat uns jedoch nicht sonderlich gefallen.

Da Corinne den Advanced Diver (= Ausbildungsstufe höher, max. Tiefe 30 m) schon vorher gemacht hatte, buchte ich für den kommenden Tag einen Deep Dive-Ausbildungsblock, so dass wir gemeinsam auf 30 Meter runter gehen dürfen. Die meisten Riffe hier vor der Küste Tofos sind um die 25 Meter, also für Open Water Divers (= erste Ausbildungsstufe, max. Tiefe 18 Meter) nicht erreichbar. Der Tauchgang war auf 0730 Uhr angesagt, also marschierten wir um sechs Uhr morgens los – kein Problem, da wir auch hier mehr oder minder nach der Sonne leben: 19 Uhr ins Bett, 0500 Uhr Tagwache (= Sonnenaufgang). Gegen 0730 marschierten wir, schon halb kaputt, ins Tauchcenter ein. Ausrüstung fassen, ab aufs Boot und raus – ein bisschen mulmig war mir schon, nun auf 30 Meter Tiefe runter zu gehen…Negative Entry = möglichst schnell runter wegen der Strömung – auch das noch :-), aber alles ging glatt und kaum nachgedacht waren wir unten, kein Problem. Die Unterwasserwelt war traumhaft, wir sahen hunderte von Fischen, ich verzichte nun auf deren Namen (welche ich ja sowieso nicht auswendig wüsste…), grosse, kleine, farbige und auch ganz wüste (welche sich aber der Umgebung super angepasst haben…). Es war wirklich ein neues Erlebnis und bislang der schönste Tauchgang für mich. An Land machten wir uns wieder auf den Heim-Marsch mit Badepause unterwegs an einem Rock-Pool, wo vorliegende Riffs die Brandung brachen und so wie eine natürliche Badewanne schufen. Zurück beim Lighthouse Camp kam uns die junge Camping-wärterin entgegen und lud uns zu ihrer Geburtstagsparty ein: sie wurde an diesem Tag 32 Jahre alt. Schämpis (mmh…nach knapp 7 Monaten wieder mal :-)), Bierchen, Barracuda-Fisch a discretion vom Grill, Reis, Salat, Schmorbraten…ihr könnt Euch ja vorstellen, wie der Abend ausgeklungen ist: kugelrund und mit leichtem (Corinne) bis mittlerem (Adi) Schwips – wir kamen kaum die Leiter hoch zum Dachzelt!

Auch am kommenden Tag buchten wir einen Tauchgang ins „Office-Reef“. Nun wurden wir für die beiden Leergänge der Ocean-Safaris voll und ganz entschädigt: Negative Entry auf 25 Meter runter und schon bald schwammen wir mit einer Riesen-Schildkröte um die Wette! Wow – er hatte nicht Angst (wir auch nicht!) und so durften wir dieses grosse Tier eine ganze Weile bestaunen. Kurze Zeit später ein weiteres Highlight, endlich ein Manta! Schier schwerelos schwebte der 6-7-Meter-Durchmesser Manta (!) mit seinen übrigen Gefolgsfischen durch das Wasser, welch Augenweide! Auch die beiden Haie, welche wir noch zu Gesicht bekamen (da hatte ich doch schon ein bisschen…nee, doch nicht Angst, aber etwas in dieser Richtung :-)), waren unglaublich. Die knapp 50 Minuten waren viel zu schnell vorbei, wir mussten wieder an die Oberfläche. Den ganzen Tag noch zehrten wir von diesem Erlebnis, wahrlich eines der Top-10 unserer Reise. Die Krönung dieses Tauchganges war natürlich die Tatsache, dass uns ein professioneller Unterwasser-Filmer begleitete und wir anschliessend ein DVD dieses Tauchganges erstehen konnten.


Da uns von der Tauchschule auch andere Tauch-Orte empfohlen wurden, machten wir uns tags darauf auf die Socken nach Zavora. Der Abschied vom Lighthouse fiel beinahe schwer, so wohl hatten wir uns gefühlt mit der netten Campingwärterin, dem jungen Kätzchen, dem jungen Hund und natürlich der grandiosen Aussicht auf das Meer und die Bilderbuch-Sonnenuntergänge…vor uns lag ein Marathon mit Einkaufen von Früchten, Gemüsen, Flip-flops, Diesel, Geldwechsel..alles dauert einfach ein bisschen länger als in der Schweiz.

In Zavora quartierten wir uns auf dem einzigen Camping ein, leider ohne Meersicht und mit lautem Generator nebenan…das Znacht auf der Terrasse im Restaurant war jedoch vorzüglich, Fisch und Chicken with garlic sauce :-). Die Nacht war unruhig und der Tauchgang am nächsten Morgen mehr als enttäuschend, weshalb wir noch gleichentags wieder zwei Stunden zum Lighthouse nach Barra hochfuhren. Das Wiedersehen mit Tiger, Lucia und natürlich der Campingwärterin war herzlich!

Another Day in Paradise: dieses Mal mit den Barra Divers. Da wir die einzigen Tauchgäste waren, hatten wir das Boot und zwei Divemasters für uns alleine! Wir wählten wiederum das „Office“ als Tauchspot und wurden wiederum nicht enttäuscht: bereits als wir ins Wasser plantschten, konnten wir von oben einen Manta sehen, wie er weit unter uns vorüberschwebte. Sofort runter auf 25 Meter und von da an staunten wir fast nur einmal: der Manta (Reef Manta) drehte seine Kreise über dem Riff, keine zwei Meter von uns entfernt, mehrere Male! Der Divemaster schätzte seinen Durchmesser auf ca. 6 Meter. Kurz darauf entdeckten wir einen ca. 3 Meter langen Hai (White tip shark), welcher auf dem Meeresboden Siesta machte und sich durch unsere Anwesenheit nicht stören liess – wir konnten so nahe an ihn heran, dass ich schon beinahe ein mulmiges Gefühl bekam…plötzlich störten wir ihn wohl doch, er schwamm einen Kreis und legte sich wieder auf den sandigen Meeresgrund – ein einmaliges Erlebnis! Entlang dem Riff liessen wir uns weiter von der leichten Strömung treiben und durften einen zweiten Manta (Giant Manta) bestaunen, wie er an uns vorüberschwebte. Auch mehrere Giant Morays (Muränen), Potato Bass und Schwärme von kleinen bunten, orangenen, gelben, blau fluoreszierenden, gestrichelten, getüpfelten….Fischlein und sonstige Meeresviechern erregten unsere Aufmerksamkeit. Dieser Tauchgang war einfach einmalig!

Am Nachmittag musste ich – wer hätte das gedacht – „arbeiten“ – ich schrieb die Strafanzeige gegen Unbekannt wegen dem Missbrauch meiner Postcard und mailte diese an meinen Vater weiter, der diese dann bei der Polizei einreichte…am Meer unter schattigen Bäumen lässt es sich gar nicht so übel arbeiten, ich muss wohl mal meinen Arbeitgeber fragen, ob ich nicht hier eine Filiale eröffnen kann :-). Auf dem Rückweg vom Dive Center zum Camping kauften wir direkt vom Fischerböötli einen Fisch – yammie, endlich wiedermal Grillen ;-)! Auch am nächsten Tag stand wieder ein Tauchgang auf dem Programm – vgl. oben…einfach traumhaft!

Zwei Tage bevor das Visum abgelaufen ist, mussten wir definitiv Abschied nehmen von Barra. Schweren Herzens machten wir uns auf die Socken, um möglichst rasch zur Grenze nach Südafrika zu kommen.


Lighthouse Camping  Barra


Fazit Moçambique:

Das erste Mal hatten wir das Gefühl, dass wir aus einem Land „rausmussten“, weil das Visum langsam aber sicher ablief…wir dachten lange über eine Verlängerung nach, entschieden uns trotz allem dagegen, weil ja auch noch weitere Leckerlis auf uns warteten. Strandferien vom Feinsten, Taucherlebnisse wie im Bilderbuch, weitere Kommentare überflüssig. Einziger Negativpunkt war die Geschichte mit der Postcard….Moçambique ist definitiv eine Reise wert!

Donnerstag, 28. April 2011

Simbabwe: 12.04.11 – 21.04.11

Der Grenzübergang verlief so ruhig wie schon lange nicht mehr. Ein paar Stempel, ein paar Dollars und drüben waren wir. Gerade nach der Grenzkontrolle parkierten wir Dotschli und schauten uns die weltberühmten Victoria-Falls an. Gigantisch, wie die immensen Wassermassen während der Regenzeit über die Klippen hinabstürzen. Die Gischt war derart stark, dass wir selbst auf der gegenüberliegenden Seite der Fälle klitschnass wurden…

Das Zusammenspiel zwischen Sonne und Wasser brachte sich in den Himmel auftürmende Gischtwolken und damit auch mehrere Regenbogen zustande, nicht umsonst gehören die Vic-Falls zu den Unesco Weltkulturerben. Den Rest des Tages verbrachten wir in einem Backpackers in der Ortschaft Victoria Falls. Am nächsten Morgen wollten wir zu Fuss einen nahe gelegenen riesigen Baobab-Baum anschauen, doch als wir die vielen „Elefanten-Haufen“ auf dem Weg sahen und bald danach auch ein Schild „unguided walks forbidden“, beschlossen wir, diesen Weg doch lieber mit Dotschli zu fahren. Und siehe da: kurz darauf begegneten wir auch einer riesigen Wildsau – mitten in Victoria Falls! Als wir mit Dotschli denselben Weg fuhren, kamen uns zwei riesige Elefanten auf dem Weg entgegen…der Baobab wurde dann plötzlich nebensächlich :-). Im Backpackers trafen wir noch Jamie (Südafrikaner), Chris (Portugiesin) und eine Australierin, welche mit einem Landrover unterwegs waren. Wir beschlossen, die Strecke entlang dem Lake Kariba zusammen zu fahren, da wir nicht wussten, in welchem Zustand diese Offroad-Piste nach der Regenzeit war. Doch zuerst wollten wir noch den nahe gelegelene Hwange Nationalpark besuchen.

Der Morning-Drive war ziemlich enttäuschend, wir sahen kaum Tiere. Gegen Abend fuhren wir mehr in den Süden und siehe da: mehrere Elefantenherden, Zebras, Antilopen, Giraffen, Strausse…das gesamte Programm. Super spannend war auch zu beobachten, wie zwei Elefanten-Familien an das Wasserloch kamen, um zu trinken und sich neue Sonnencrème einzuschmieren: Elefanten benutzen den Schlamm tatsächlich als Sonnenschutz und „blasen“ das Schlamm-Wassergemisch mit dem Rüssel über Rücken und Nacken. Wir übernachteten in einem Camp im Park und lauschten Nachts die verschiedenen Geräusche der Tiere…hautnah und teilweise Furcht einflössend :-). Leider bemerkte ich, dass etwas mit Dotschlis Hinterrädern nicht in Ordnung war, sie schienen Spiel zu haben und ich tippte als Nicht-Mechaniker auf die Radlager. So mussten wir notgedrungen Programmänderung machen und die nächste Toyota-Garage ansteuern. Diese war 240 km südlich des Nationalparks in Bulawayo entfernt, so dass wir Jamie mitteilen mussten, dass wir leider nicht mit ihnen entlang dem Kariba-See fahren konnten.

In Bulawayo checkten die Mechaniker der Toyota-Garage unsere Radlager und – Gott sei dank – teilten uns mit, dass alles in Ordnung sei. Das Spiel, das icht gespürt habe, ist weg – keine Ahnung, weshalb. Wir blieben zwei Tage in der sympathischen Stadt Bulawayo – die Simbabwer fielen uns durch ihre Zurückhaltung positiv auf: wir wurden in Ruhe gelassen, nicht ewig angesprochen oder angebettelt, die Menschen waren freundlich. Da wir nun schon ziemlich im Süden Simbabwes waren, mussten wir uns entscheiden, ob wir nochmals in den Norden an den Sambesi-Fluss fahren wollten. Dies einerseits wegen dem Manapools-Nationalpark, den wir eigentlich besuchen wollten und dort im Park auf dem Sambesi ein mehrtägiges Kanutrekking machen wollten. Aufgrund des langen Anfahrtsweges – eine Strecke ca. 750 km – entschieden wir uns dann schweren Herzens, die Kanutour auf das Okawanga-Delta in Botswana zu verschieben…so dass wir direkt ostwärts fuhren. Nach einer Nacht in Masvingo regnete es wieder und daher beschlossen wir, weder die Great Simbabwe-Ruinen noch den nahgelegenen See zu besuchen. Ruinen hatten wir schon manche gesehen und den See im Regen…..na ja. Also nutzten wir diesen trüben Tag, um weitere Kilometer zu fressen.

Als Berggänger lockte uns an der Grenze zu Mocambique der Chimanimani Nationalpark – ein Gebirge mit wilden, steinigen Bergen. Wir bereiteten uns mental schon auf das Abwimmeln von Guides und eben – afrikamässiges- Wandern vor. Doch weit gefehlt: im Headquarter bezahlten wir den Eintritt, erhielten so etwas wie eine Karte sowie Empfehlungen über die schönste Tour mit einem lächelnden „enjoy your trip“. Das Wörtchen Guide wurde nicht einmal angesprochen…so machten wir uns auf den Weg, ausgerüstet für eine Tagestour. Leider hing der Nebel tief, wir sahen kaum ins Flachland hinunter. Der schmale Bergweg führte steil zwischen wilden Felsformationen hinauf, teilweise mussten wir die Hände zu Hilfe nehmen, um weiterzukommen. Auch war die Markierung des Weges nicht mit den schweizerischen Wanderwegen zu vergleichen…glücklicherweise hatte ich mein Navi eingepackt, welches mir jeweils bestätigte, auf dem richtigen Weg zu sein. Nach Überquerung eines schönen Plateaus erreichten wir eine Berghütte, wo wir eigentlich unser Tagesziel festgelegt hatten. Da wir jedoch noch nicht zu müde waren, beschlossen wir, eine Rundtour zu machen. Da die meisten Touristen – wenn denn welche kamen – wohl nur in die Hütte und auf den höchsten Berg stiegen, mussten wir feststellen, dass die übrigen Wege des Parkes nicht unterhalten wurden: durch teilweise hüfthohes Gras, natürlich pflotschnass, so dass wir den Weg nur mehr erahnen konnten, über Bäche, steile Grasbörter hinab…wir wurden langsam müde, ich hielt das Navi immer vor mir und hoffte, dass die Batterien nicht schlapp machten. Leider begann es auch noch zu regnen, doch machte dies uns eigentlich nichts weiter aus, da wir vom hohen Gras eh schon klitschnass waren. Nachdem uns das Navi auf einen Weg führte, der wohl schon seit Jahren nicht mehr begangen wurde und im schier undurchdringbaren Dschungel endete, begann unsere Stimmung doch langsam zu sinken. Wir waren müde, wussten zwar, wo wir waren, aber nicht, welchen Weg uns wieder zurück zu Dotschli führen würde. Nass bis auf die Unterwäsche und müde kämpften wir uns vorwärts. In den Bergschuhen pflotschte es nur so…nach siebeneinhalb Stunden dann die „Erlösung“: Dotschli war in Sicht. Wenn wir zu Hause gewesen wären, hätten wir eine laaaange warme Dusche oder gar ein Bad genossen. Aber eben: wir waren nicht zu Hause. So gabs denn eine minütige saaaau-kalte Dusche (aber immerhin!), jedoch gefolgt von einer feinen Bündner Gerstensuppe und Älpler Makkaronen – das entschädigte für viel! Die Nacht war ruhig – wir schliefen wie die Weltmeister. Da wir uns wieder ostwärts bewegten, brach die Nacht wieder früher ein – um sechs wars bereits wieder stockfinster und wir dementsprechend müde und in den Federn. Nach acht Stunden Schlaf war jedoch meist fertig, was bedeutete, dass wir oft zwischen 4 und 5 Uhr morgens wach waren und nicht mehr schlafen konnten…Uebrigens: der Muskelkater war auch nicht ohne…

So, nächste Station war Mutare bzw. Grenze zu Mocambique. Wir entschieden uns für den direkten Weg von Chimanimani über Cashel nach Mutare (wurde von einem grossen Wegweiser als „scenig road“ bezeichnet), auch wenn diese Strasse auf der Karte nur weiss und fein eingezeichnet war.. Nach Erkundigung im Nationalparkbüro („yes, you can take this road, no problem“) machten wir uns auf die Räder – schon nach einem Kilometer nicht mehr geteert, aber was solls, Dotschli will ja auch artgerecht gehalten werden. Eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden, der Weg wurde immer schlechter, immer weniger Spuren, es ging einen Pass hoch, begann zu nieseln und nebeln…immer schlechter…immer schmaler…Schlammlöcher – Allrad, Untersetzung und Sperren rein – oje, wenn das nur gut kommt, uns war etwa so zumute wie tags zuvor zu Fuss, zumal wir uns wirklich im Niemandsland zwischen Simbabwe und Mocambique befanden, Tagesmärsche entfernt von jeglicher Zivilisation. Fotos gibt’s da leider keine – wer denkt in solchen Situationen noch ans Fotographieren?! Zu Fuss musste ich mehrmals vorausmarschieren, um zu schauen, ob ich da überhaupt durchkomme mit dem Auto. Nee, so nicht, beschlossen wir und kehrten um, wir hatten genug von unserem Fast-Kipper in Malawi – ich war schon froh, fand ich überhaupt eine Stelle, wo ich wenden konnte. Gut – nun wieder zwei Stunden retour nach Chimanimani. Auf halber Strecke kam uns ein Weisser (lebt aber seit Jahren in Mutare) im Pickup entgegen und er bestätigte uns, dass diese Route seit Jahren nicht mehr unterhalten und befahren würde…. Zwischen-Fazit vom Chimanimani-Gebiet: landschaftlich wunderschön, aber nicht unbedingt für Touristen erschlossen, welche nicht nur gerade bei Sonnenschein unterwegs sind und „nur“ in die Hütte wollen, sondern vielleicht ein bisschen weiter und bei jedem Wetter.

Über Teer waren wir schnell in Mutare, kauften ein und suchten den Caravan Park zum Übernachten. Einsam gelegen ausserhalb der Stadt am nördlichen Hügel, waren wir wiedermal die einzigen Touristen. Da der Platz nicht umzäunt und nicht mit einer – wie üblich – Eingangspforte gesichtert war, erkundigten wir uns nach der Sicherheit – „no problem“ war die Antwort, klar, wie kann man nur so dumm fragen. Da wir müde waren und nicht weitersuchen mochten, blieben wir. Nach dem Eindunkeln bemerkte ich ein Auto, das in ca. 50 m Entfernung halb hinter dem WC-Block parkierte – Menschen stiegen jedoch nicht aus. Adi’s Sicherheits-Ampel stellte auf Orange (Rot = weg von hier!) und ich spazierte unauffällig zu den WC’s, um die Lage zu checken. Ich bemerkte Leute im Auto – die Türe wurde sofort zugezogen, aber mehr konnte ich nicht erkennen. Gut – wir assen unser Znacht, das Auto blieb. Später machte Corinne auch noch eine Tour-de-Auto, ausgerüstet mit Hochleistungstaschenlampe und leuchtete direkt ins Auto rein – viel sah sie auch nicht, ausser dass ein Mann sich zu verstecken versuchte. Das war dann doch zu viel und Corinne fragte bei der Reception nach–„no problem – they make a pic-nic“…war die Antwort. Um diese Zeit? Im Auto? Hm…da konnte was nicht stimmen. Aber so langsam begriffen wir, was der Herr Rezeptionist unter Pic-Nic verstand…:-), was uns am nächsten Morgen dann auch endgültig klar wurde, als wir am Boden die vielen Packungen „extra long“ oder „sensitive“ sahen…wir mussten lachen.

Tags darauf war wieder eine Grenze angesagt. Keine Probleme, alles verlief recht zügig und speditiv.


Fazit Simbabwe:

Endlich haben wir unser Picknick-Land gefunden – nein, nicht obiges, sondern wirkliches Picknick, denn wir konnten ungewohnterweise unsere Mittags-Sandwiches völlig ungestört und unbeobachtet geniessen. Das Biken machte Spass – kaum Verkehr, kilometerlange Wälder. Dotschli machte uns einen kleinen Strich durch die Rechnung – wir wären gerne in den Mana Pools Nationalpark, aber eben: wenn der Wagen bockt, geht nichts mehr :-). Ausser den oft problembehafteten Berichten der westlichen Medien zu Hause über Mugabe und seinem Gehabe hatte ich mich kaum mit Simbabwe beschäftigt und wir waren positiv überrascht von diesem Land. Freundliche, zurückhaltende Menschen, ansprechende Landschaften…

Und die Tages-(Tor)-Tour im Chimanimani-NP bleibt uns noch lange in Erinnerung!

Sambia: 30.03.11 – 12.04.11

Die erste Nacht in Sambia verbrachten wir im Deans’ Camp in Chipita. Im Spar füllten wir unsere Vorräte auf und begannen wiederum mit der Suche nach einem tauglichen Velo. Als die Locals erfuhren, dass zwei Muzungus ein Velo kaufen möchten, waren wir plötzlich umringt von potentiellen Geschäftspartnern – es wurden uns mehrere Velos in unterschiedlichstem Zustand angeboten. Im Unterschied zu den Verkäufern in Lilongwe konnten wir diese Fahrräder jedoch Probe fahren, was schlussendlich zu einem neuen Familienmitglied führte: herzlich willkommen, Sambu!

OK, auch Sambu stammt aus China, sieht leicht aus, ist er aber nicht und die Hinterbremsen und Schaltung benötigten eine gründliche Überholung. Alles in allem stimmte jedoch das Preis-Leistungsverhältnis mehr oder weniger – oder auf deutsch: wir wollten jetzt ein Bike und waren bereit, auch für diesen Chinesen hundert Franken hinzublättern. Freudig strampelten wir die ersten 30 Kilometer zwischen Chipata und Mfuwe abwechslungsweise, obschon wir erstaunlich schnell ausser Atem kamen und die afrikanische Sonne gnadenlos auf unsere Häupter brannte – aber es machte Spass. Gegen Mittag schnallten wir Sambu auf den Dachträger (wenn wir noch mehr aufs Dach laden, sehen wir schon bald aus wie ein afrikanischer Lastwagen!) und fuhren über eine üble Piste nach Mfuwe, dem Tor zum South Luangwa National Park. Wir quartierten uns in die Wildlife Lodge (bzw. Camping) ein und staunten nicht schlecht, als wir in breitem Berndeutsch begrüsst wurden! Dora lebt und arbeitet schon vier Jahre hier und hatte uns viel zu erzählen…wir entschieden uns sogleich, einen Night-Game-Drive zu buchen und um halb vier gings los: im offenen Land-Rover erlebten wir ein weiteres Highlight in Afrika – in der Dämmerung und Nacht quer durch einer der wildesten und unberührtesten Nationalparks zu fahren war unbeschreiblich. Wir konnten Zebras, Giraffen, Büffel, Antilopen, Stachelschweine, Eulen und weitere Tiere sehen…und als Krönung vier Löwen beobachten! Als es eindunkelte, leuchtete der eine Guide während dem Fahren mit einem sehr starken Scheinwerfer die nähere Umgebung aus. Unterwegs servierte uns der Guide ein kühles Bierchen und Popcorn...einfach einmalig. Um halb neun waren wir wieder im Camp, wo wir einen leckeren Cheesburger serviert erhielten.

Da der Eintritt in den Nationalpark für 24 Stunden gültig war, standen wir um sechs Uhr morgens schon wieder am Eingangsgate, dieses Mal aber mit Dotschli. Das Glück war wiederum auf unserer Seite: eine Mutter mit zwei Jungen Löwen spazierten direkt vor unserem Auto durch, keine zwei Meter trennten uns von ihnen! Eine gute viertel Stunde konnten wir ihnen folgen – seelenruhig und an Autos gewöhnt schien sich die Mutter mit den verspielten Jungen nicht an uns zu stören. Auch die ganze andere Palette an Tieren durften wir in der Folge beobachten, nur der Leopard fehlte noch auf der Liste. Die kleineren Wege waren leider wegen der Regenzeit noch nicht passierbar – mehrmals mussten wir umkehren, da wir uns alleine nicht wagten, die schlammigen Passagen oder tiefen Wasserdurchfahrten zu queren. Ein weiteres Malheur mit Dotschli wollten wir dieses Mal vermeiden….Gegen Mittag waren wir müde vom Herumfahren und Beobachten, so dass wir ins Camp zurückfuhren. Doch auch dort ging das Tier-Spektakel weiter: dutzende von Baboons (Affen) tollten im Camp herum, Buschhörnchen „Karlchen“ war unser Nachbar, ein Riesenwaran trottete über den Weg: wir campten in einem richtigen Zoo. Das Pool direkt am Fluss war natürlich das „i-Tüpfli“, denn es war unglaublich schwül und heiss.

Den nächsten Tag verbrachten wir im Camp, wir waren zu müde, um weitere Safaris zu machen. Mussten wir auch nicht, denn die Tierwelt spazierte uns auch im Camp vor den Augen herum: Ein Elefant trottete am andern Ufer des Luangwa vorbei, die Affen spielten auf den benachbarten Fixzelten Trampolin, die Hippos im Luangwa vor uns schnaubten und röhrten und Karlchen war auch immer da. Es war wirklich ein Traum…

Wir verbrachten fast den ganzen Morgen damit, Sambu auf Vordermann zu bringen. Die Vorbesitzer hatten das Wort „Unterhalt“ wohl nicht in ihrem Repertoire: Schalt- und Bremskabel waren verrostet, die Schaltung mussten wir neu einstellen, die Bremsen revidieren…es gab viel zu tun. Doch danach war unser Sambu einsatzfähig – ausser den lädierten Kugellagern und der abgenützten Ritzel konnten wir alles zufrieden stellend instand setzen. Nun wollten wir Sambu noch einen Gepäckträger spendieren, damit wir zu zweit auf Pirschfahrt gehen konnten…:-). Den Nachmittag verbrachten wir mit anstrengendem Baden im Pool…

Tags darauf entschieden wir uns, nochmals in den Park zu gehen und buchten wiederum einen Night-Drive. Doch dieses Mal hatten wir weniger Glück: es begann zu regnen, die Tiere verzogen sich vor Blitz und Donner und wir gingen mehr oder weniger leer aus. Dennoch war auch dieser Park-Besuch ein spezielles Erlebnis. Punkt 0600 Uhr standen wir wieder am Eingangsgate, wiederum mit Dotschli. Ein Rudel von fünf Wildhunden lag plötzlich vor uns auf dem Weg – was sehr selten sei, wie wir uns sagen liessen später. Fast eine halbe Stunde durften wir diese Tiere beobachten, wie sie abwechslungsweise frassen (was, konnten wir leider nicht sehen) und Wache schoben. Ansonsten machten wir wiederum Begegnungen mit Elefanten, Zebras, Antilopen, Büffel, zahlreichen Vogelarten und Wildschweinen. Diesen Park und das Wildlife-Camp haben wir fest in unsere Herzen geschlossen – das ist Afrika pur. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Karlchen und machten uns auf den Weg – die ersten 30 km wiederum abwechslungsweise mit Sambu. Wenn wir nicht zusammen fuhren, staunten die Einheimischen nicht schlecht, wenn ein Muzungu auf einem Fahrrad dahingeradelt kam…das sahen sie wohl hier nicht häufig, da die meisten Touristen aufgrund des langen und mühsamen Anfahrtsweges per Flugzeug direkt zum Park fliegen. Unterwegs machten wir Halt bei einer Textil-Fabrik, wo traditionell verschiedenste Textilien (Bettwäsche, T-Shirts, Tischdecken etc.) bemalt werden. Nach einer Besichtigung der Fertigungsstätte kam die Qual der Wahl, was wir mit nach Hause nehmen wollten, denn die Preise waren auf europäischem Niveau und wir hatten nicht unendlich Platz zur Verfügung.

Danach luden wir Sambu aufs Dach und fuhren nach Chipata zurück. Am nächsten Tag führte uns der Weg weiter süd-westlich nach Lusaka, der Hauptstadt von Sambia, wo wir auf dem Pioneer Camp Halt machten. Dort trafen wir ein sympathischen Deutsch-Holländisches Pärchen, welches auch schon längere Zeit unterwegs war. Shopping-Center, Dotschli-Service, Pool, Aufräumen – auch das wiederholt sich…Doch halt: im Shopping-Center wurden wir als Grillspezialisten aufs Höchste erfreut: Fleischtheke vom Feinsten, meterlang, die Tierchen schön zerlegt wie wir uns das gewohnt waren, keine Fliegen, keine Augen, die uns anstarrten…Steaks bis zu 1.5 kg EIN Steak…keine Frage, dass wir jeden Abend den Grill anschmissen und eine Schweigeminute für unsere Grillfreunde zu Hause einlegten.


Nach ein paar Tagen waren wir bereit, um weiter nach Livingstone zu fahren. Unterwegs übernachteten wir auf dem Camping der Moorings-Farm, wo wir auf einen jungen Schweizer trafen, der sich dort vorläufig niedergelassen hat. Es war spannend, mit ihm zu diskutieren…Livingstone ist wegen der Victoria-Falls recht touristisch, so dass wir nur eine Nacht blieben und am nächsten Tag nach Simbabwe einreisten und uns die Fälle von dieser Seite anschauten.


Fazit Sambia:

Der South Luangwa Nationalpark gehört zweifellos zu einem unserer Highlights der Reise. Das Wildlife Camp ist ein Juwel, wir haben die Zeit dort sehr genossen. Dass wir so lange gewartet haben, bis wir uns ein Bike gekauft haben, wissen wir bis heute nicht – Sambu spult nun tüchtig einen Teil der vielen Kilometer mit und hilft uns dabei, nicht einzurosten :-). Sambia bietet Afrika pur und das erst noch weniger touristisch als beispielsweise Kenya. Rückblickend sind wir uns fast ein bisschen reuig, dass wir nicht mehr Zeit in Sambia verbracht haben. Vielleicht kommen wir wieder....

Donnerstag, 7. April 2011

Malawi: 24.03.11 – 30.03.11

Die malawischen Visumsbestimmungen (nur für Schweizer?) waren derart, dass wir das Visum nicht an der Grenze kaufen konnten, sondern nur mit einem weiteren Wisch innert 3 Tagen in der nächst grösseren Ortschaft Mzuzu. Was dies bringen soll, ist mir ein Rätsel. Diesen Wisch in der Hand, das gestempelte Carnet und rein gings nach Malawi. Die erste Nacht verbrachten wir im wunderschönen Chitimba Camp am Lake Malawi.


Chitimba Camp
Da immer noch Regenzeit, war der Strand voller Schwemmholz, Müll und das Wasser trübe – und daher abgesehen von der Billharziosegefahr keine Versuchung wert. Umso schöner war jedoch die Stimmung am See mit den grossartigen Wolkenformationen – solch riesige Gewitterwolkentürme habe ich noch nie gesehen. Wir genossen die entspannte Atmosphäre und das spannende lange Gespräch mit dem holländischen Besitzer des Camps, der dieses vor vier Jahren von einem Engländer übernommen hatte. Abends quakten die Frösche derart laut, dass wir kaum schlafen konnten – nicht nur das uns bekannte quaken, sondern weitere unbekannteTöne gaben diese kleinen Viecher von sich. Tags darauf fuhren wir entlang dem wunderschönen Malawi-See nach Mzuzu zur Immigration-Office. Da ich in der Nacht zuvor zu wenig geschlafen hatte, empfand ich das Visumsprozedere als äusserst mühsam und Corinne musste mich mehrfach beruhigen, damit ich diesen faulen, unhöflichen und lamaschigen Beamten nicht an die Gurgel sprang…das ordentliche Visum für 30 Tage kostete geschlagene 70 US-Dollar, was uns zu viel war. Daher „nur“ ein Transit-Visum, 7 Tage für läppige 50 US Dollar, pro Person versteht sich, und nach guten zwei Stunden waren wir wieder frei. Ich benötigte eine ganze Weile, ehe ich mich wieder beruhigt hatte…:-).

Von Mzuzu aus fuhren wir wieder an die Küste und wollten eigentlich zu einer im Guide ganz nett beschriebenen Lodge fahren. Diese entpuppte sich als „closed“ seit Jahren, worauf wir Wegweisern folgend zur nächsten weiterfahren wollten. Der Weg – offroad und maximal autobreit – war zunehmend aus loser Erde aufgeschüttet, rechts und links ein Wassergraben. Ich hatte schon ein ungutes Gefühl, als wir vorwärts in diesen Weg reinfuhren. Vor einer kleinen Holzbrücke (afrikanisch = ein paar Bäumchen und Stämme über den Bach gelegt) sagte ich: niet, da fahr ich nicht drüber. Also Rückwärtsgang rein und wieder raus – doch plötzlich geschah es: ich geriet ein bisschen auf die linke Seite und Dotschli rutschte seitwärts weg, war zu schwer für die lose Erde.

bitte nicht umkippen....
Beide linken Räder rutschten langsam gegen den Graben zu – das „Neige-Meter“ zeigte immer mehr an und ich hielt an, konnte nichts mehr machen. Je weiter ich in der Folge versuchte, wieder auf den Weg zu fahren, desto mehr neigte sich Dotschli zur Seite und bewegte sich weder vor-noch rückwärts. Ich stieg aus. Wir befanden uns das erste Mal auf dieser Reise in einer auf berndeutsch „Scheiss-Situation“. Alleine würden wir da nicht mehr rauskommen und ich befürchtete, dass uns Dotschli auf die Seite kippen würde. Dies würde nicht nur das Ende der Reise, sondern auch eine kleinere bis mittlere finanzielle Katastrophe darstellen, weil wir gegen „Selbstzerstörung“ nicht versichert sind, sprich: keine Vollkasko haben, welche Afrika abdeckt. Mit der Zeit war das ganze Dorf um uns versammelt – zuerst lachten sie ab uns bzw. unserem Dialekt, dann merkten sie, dass uns nicht gerade gut zumute war und als die Dorfälteren auch bei uns eintrafen, schwankte die Stimmung in Hilfsbereitschaft über. Ich befestigte die Bergegurte seitlich am Dachträger, nahm die Schaufel aus der Dachkiste und wir fingen an, vor den beiden rechten Rädern zu graben, damit sich Dotschli nicht mehr weiter nach links neigen konnte. Die Zeit verging, wir schwitzten und krampften unter Beobachtung von dutzenden Einheimischer, welche lautstark mitdiskutierten, was nun zu machen sei. Als wir genug gebuddelt hatten, versuchte das halbe Dorf am andern Ende der Bergegurte Dotschli zu stabilisieren und ich wagte einen Versuch, wieder auf den Weg zu fahren. Dank Untersetzung und der beiden Differentialsperren drehten die Räder nun nicht mehr durch, sondern fanden Halt – wir waren draussen! Schweissgebadet aber überglücklich bedankten wir uns bei den Helfern, übergaben dem Dorfältesten einen guten Batzen für ihre Hilfe. Kaum aus meinen Händen, gerieten die vielen Menschen untereinander in einen Streit, wie das Geld nun aufgeteilt werden sollte: offenbar waren Menschen verschiedener Dörfer zu Hilfe geeilt – diese versuchten nun, soviel wie möglich für ihre Dörfer zu ergattern. Wir waren dabei völlig nebensächlich; als wir uns verabschieden wollten, waren sie nur mit sich bzw. dem Geld beschäftigt…Phu, das war Adrenalin pur und es hätte auch schief gehen können. Wir dankten unserem Schutzengel und fuhren auf TEERSTRASSE in die nächste Lodge, wo wir uns ein feines Fisch-Znacht gönnten. Nach dem Znacht durften wir ein weiteres Mal das Schauspiel eines Gewitters über dem Malawisee beobachten, welch Naturspektakel!

Tags darauf fuhren wir weiter südwärts in eine Lodge mit angeschlossener Schweizer Tauchschule. Der Schweizer Eigentümer war leider gerade in Mzuzu und daher nicht zu sprechen…Das Camp selber war nichts umwerfendes, aber ein Tauchgang im Malawisee reizte uns umso mehr. Nachdem wir uns am nächsten Morgen über die Gefahr oder eben Nicht-Gefahr einer Billharziose an dieser Stelle informiert hatten, entschlossen wir uns, einen Tauchgang zu machen. Mit einem Boot fuhren wir raus zu einer kleinen Insel, wo wir ins warme Wasser (29 Grad!) stiegen. Über die Unterwasserwelt waren wir fast ein bisschen enttäuscht – wir haben mehr erwartet. Die Sicht war ca. 6 m, die Artenvielfalt der kleinen Süsswasserfische hielt sich auch in Grenzen. Speziell für uns zum anschauen waren ein VW-Wrack und ein Baum unter Wasser. Nichts desto trotz war es ein schönes Erlebnis und schon das Gefühl der „Schwerelosigkeit“ unter Wasser ist jeden Tauchgang wert!


Da wir vorhatten, in Mozambique noch zu tauchen, machten wir nur einen Tauchgang und fuhren gleichentags weiter in die Hauptstadt von Malawi, nach Lilongwe.

Dort wollten wir uns endlich ein Velo kaufen – der Sport, die Bewegung fehlte uns derart, dass wir uns entschieden, einen in Afrika ja so beliebten Drahtesel zu erstehen. Doch das war gar nicht so einfach, denn: - auch in Afrika hat China-Ware Einzug erhalten = billig, aber Schrott und schon kapput, ehe man bezahlt hat – Nicht-China-Ware war kaum aufzutreiben und wenn doch, verhältnismässig teuer. Wir wollten ja nicht fünfhundert US Dollar für ein Bike bezahlen, das wir dann wohl eh wieder weggeben (= verschenken) würden am Ende der Reise. Dazu kam, dass uns die Verkäufer die Bikes nicht testen liessen und das war dann das Todesurteil des Velo-Traumes hier in Lilongwe – ich wollte keine Katze im Sack kaufen. Neues Land, neues Glück? Wir würden es in Zambia wieder versuchen. Nach drei erholsamen Tagen im Mabuye-Backpackers (mit Pool :-) waren wir wieder bereit, weiterzuziehen.



Mabuye Backpackers Lilongwe
Wir schusterten uns einen Plan für Zambia zusammen und fuhren an die Grenze. Das Prozedere war eines der angenehmsten überhaupt: keine aufdringlichen Geldwechsler, keine Überraschungen, ein paar Stempel, erledigt in einer Stunde – so einfach geht das!











Fazit Malawi:

Was sich anfänglich als eher mühsam anfühlte (Grenze, Visumsbeschaffung), entpuppte sich dann doch noch als wunderschönes Reiseland. Der Malawisee ist einzigartig, die verschieden schimmernden Farbtöne des Wassers, das Zusammenspiel mit den (Gewitter-) Wolken und deren Spiegelungen im See…traumhaft. Kulinarisch bot der See natürlich auch Höhepunkte: als Fischliebhaber assen wir mehrmals auswärts feinen Fisch zum Znacht. Die Episode „Dotschli-Versenken“ hat uns einmal mehr gezeigt, dass die Reise auch innert Minuten zu Ende sein könnte…und wir unserem Schutzengel immer schön brav „müesse chüderle“. Malawi bietet sicher mehr, als wir gesehen haben – wir würden das nächste Mal doch nicht nur ein Transitvisum beantragen, Dollars hin oder her :-).

Donnerstag, 24. März 2011

Tansania: 18.03.11 – 24.03.11

Die Einreise nach Tansania ging auch zügig voran, ausser dass ich dem Zollbeamten erklären musste, wie er das Carnet auszufüllen hatte. Dieser Grenzübergang wurde von Overlandern nicht viel frequentiert – wir waren das dritte Fahrzeug im März…Der sichtlich überforderte Grenzbeamte musste sich eine Vorlage besorgen, damit er die richtigen Feldchen ausfüllte. Die gute Teerstrasse führte uns durch savannenähnliche Landschaft – weg waren die Bananen, der Tee und das tropische Grün. Auch wenn wir in der Regenzeit unterwegs waren, vermochte der Regen die trockene Landschaft nicht in saftiges Grün umzuwandeln. Vielmehr wurden grosse Gebiete einfach überschwemmt. Auch sofort fiel uns auf, dass die Bevölkerung wiederum viel ärmer war als in Ruanda. Einfachste strohbedeckte Lehmhüttchen, davor einige Geissen oder magere Rinder. Gleichentags fuhren wir noch bis Nyakanzi, wo wir in einem einfachen Guesthouse eine Bleibe fanden. Wir waren wohl seit einiger Zeit die einzigen weissen Touristen, so dass wir wieder die vollste Aufmerksamkeit der Bevölkerung hatten. Ein Student diente als Dolmetscher und führte uns in ein „Restaurant“, wo wir das erste Mal Ugali, ähnlich wie Polenta nur aus weissem Maismehl, zusammen mit Geissenfleisch serviert erhielten. In riesigen Kochtöpfen wurde am Strassenrand auf Kohleherden gekocht, lautstark dröhnten ein paar Lautsprecher und wir mittendrin, weit und breit die einzigen Touristen. Das war Afrika, gewöhnungsbedürftig aber ein Erlebnis! Jerry und Else, welche schon ein paar Tage vor uns Richtung Süden aufgebrochen waren, sandten uns eine sms: West-Tansania schlechtes Wetter, übelste, teilweise von Lastwagen blockierte Pisten, viel Matsch, sie kämen nur sehr langsam voran. Also entschieden wir uns, Tansania nicht im Westen runterzufahren (was ca. 800 km Piste bedeutete und dies in der Regenzeit), sondern auf der Teerstrasse einen Umweg nach Siginda zu machen.


Dies hiess jedoch ein paar Tage einfach „durchfahren“ – Maloney und andere Hörbücher verkürzten uns diese Tage. Da wir dort wiederum keinen Campingplatz fanden und auch die Hotelbesitzer nicht sonderlich erfreut waren an Campinggästen, nahmen wir uns das erste Mal ein Hotelzimmer. OK, nicht gerade Luxus, aber eine warme Dusche und ein festes Dach über dem Kopf waren doch nicht zu verachten bei diesem Regen. Dachten wir , denn die Nacht haben wir schlecht in Erinnerung: Das Mückennetz über dem Bett war zu klein. Die Biester stachen mich durch das Netz hindurch. Dazu kam ein weiterer Durchfall – WC-Besuche alle Stunden, der Muezzin bellte ab vier Uhr morgens auch wieder von den Dächern und als um sechs Uhr der Parkwächter an unsere Türe polterte und uns weckte, nur um zu betteln, jagte es uns doch den „Nuggi“ raus. Schlecht gelaunt packten wir unsere sieben Sachen und zogen weiter. Zwischen Siginda und Dodoma war die Landschaft nicht spektakulär. In Dodoma wollten wir eigentlich direkt nach Iringa fahren, doch als wir die Piste sahen, änderten wir wiederum Pläne: wir hatten einfach keine Lust mehrer hundert Kilometer lang im Regen Schlagloch um Schlagloch zu umfahren und ev. noch stecken zu bleiben, weil die schweren Lastwagen auch festsassen. Also nahmen wir die Teerstrasse Richtung Morogoro in Angriff, was wir nicht bereuten: die Vegetation sowie das Landschaftsbild änderten merklich. Wiederum hügliger, grüner und immer wieder Bananenbäume.

Wir fuhren durch mehrere Regenfronten, teilweise so stark, dass wir beinahe anhalten mussten, weil wir trotz Schweibenwischer-auf-Vollgas kaum ein paar Meter sahen (was die Einheimischen natürlich nicht hinderte, weiter mit überhöhter Geschwindigkeit zu fahren und gefährliche Überholmanöver zu machen…). Die Bäche gingen über die Ufer, Strassen wurden überschwemmt, wirklich ein Spektakel. Über Doma gings weiter durch den Mikumi Nationalpark, wo wir doch tatsächlich Zebras, Büffel, Giraffen und sogar Elefanten aus nächster Nähe beobachten konnten, und dies von der Hauptstrasse aus!

Was uns nachdenklich und teilweise sogar ängstlich machte, waren die vielen Unfälle, welchen wir begegneten. Vor allem schwer beladene Lastwagen, wohl technisch auch nicht in allerbestem Zustand, lagen meist völlig zertrümmert neben oder noch auf der Strasse – wir fuhren gerade zu einem Unfall, bei welchem ein Lastwagen mit einem Reisebus zusammenstiess – übles Bild.


Die Lastwagenfahrer sind sich hier einfach nicht bewusst, welch Geschosse sie lenken, wenn sie ihre überladenen Fuhren die teilweise starken Gefälle (wohl ausgekuppelt) hinunterrollen lassen und dann in der Kurve merken, dass sie doch besser ein bisschen früher gebremst hätten…ein paar Mal hatte ich recht viel Adrenalin im Blut, als uns solche Lastwagen gefährlich nahe kamen. Unser Schutzengel hat bislang volle Arbeit geleistet :-).

Kurz vor Iringa hielten wir bei einem schönen Camp am Lukose-River. Leider war uns Petrus immer noch übel gestimmt, der Regen fiel und fiel…so dass wir weiterfuhren über Makambako nach Mbeya und nach Tukuyu, kurz vor der Grenze nach Malawi. Beim Old Farm House Kisolanza, kurz nach Iringa, übernachteten wir noch ein weiteres Mal: dieses schöne Camp, wiederum eine Farm, bot zugleich frisches Gemüse und Früchte an, welch ein Genuss. Wir deckten uns ein und zum Znacht bot Frau Köchin Corinne frische Frühlingskartoffeln mit Lauch, gefolgt von Rhabarberkompott an und dies (fast) aus dem eigenen Garten!



Die Ausreise nach Malawi war wohl die übelste, welche wir erlebt haben: mehrere Dutzend, ich übertreibe nicht, teilweise sehr aggressive Schwarzgeldwechsler umlagerten uns und wir mussten die unterste Schublade verbaler Art zu Hilfe nehmen, um sie zu vertreiben.



Fazit Tanzania:

Dieses Fazit fällt einigermassen kurz aus: wir sind über 1500 km gefahren, vielfach in heftigem Regen und gesehen haben wir nicht allzu viel. Wir wählten die Auto- und nervschonende Teer-Variante und sind – nachdem wir wiederum von den Jerry und Else Bericht erhalten haben – nicht unglücklich darüber. Auf den teuren und sehr touristischen Kilimanjaro wollten wir sowieso nicht, nachdem wir ein so schönes Bergerlebnis am Mt. Kenya hatten und die Nationalparks im Norden Tanzanias liessen wir aus; andere schöne Parks warten in den südlichen Ländern auf uns.

Dienstag, 22. März 2011

Ruanda: 14.03.11 – 18.03.11


OK, schon wieder reingefallen. In unserem schlauen Buch (Reise-Know-how-Guide) von notabene 2010 stand schlicht und einfach, dass Schweizer und Österreicher Bürger das Visum an der Grenze zu Ruanda erhalten würden. Dem glaubend fuhren wir in das Grenzkaff Kisoro und der nette Campingbesitzer klärte uns auf, dass dem nicht ganz sooo einfach sei, wie in unserem Guide beschrieben. Vorerst müssten wir ein Formular ausfüllen, das an die Immigration in Kigali / Ruanda schicken und warten, bis wir das OK für ein Visum erhalten – dann gibt’s das Visum tatsächlich an der Grenze. Aber ohne diesen Wisch würden wir keine Chance haben…hin und her gerissen, wem wir nun glauben sollen, heuerte ich einen Moped-Fahrer an und fuhr mit ihm zur Grenze. Diese billigen China-Töfflis sind natürlich nicht auf Offroad ausgelegt, aber wen, ausser meinen Hintern, kümmert das schon? An der Grenze musste ich den Chef Immigration Uganda zuerst bitten, dass er mich kurz aus Uganda ausreisen lässt, damit ich rüber nach Ruanda fragen konnte, was nun stimmt. Er war mir gnädig und liess mich gehen. Zu Fuss marschierte ich durch Niemandsland im Busch und traf dann tatsächlich auf die Immigration Ruanda, wo mir der nette Herr in perfektem Englisch erklärte, dass auch wir nicht so einfach ein Visum erhalten würden. Gut – oder auch nicht – ich fuhr zurück mit dem Moped, wobei ich mehrmals absteigen musste, weil der Töff-töff sonst zu schwer zu lenken gewesen wäre im Matsch. Noch am selben Abend füllten wir online dieses Formular aus und sandten dieses nach Kigali. Wartezeit gemäss Info aus dem Internet zwischen 1-3 Tagen – Weekends nicht mit einberechnet und wir hatten ja schliesslich gerade Freitag. Nun hatten wir viiiel Zeit, um: Brot zu backen, Service am Dotschli zu machen, Aufzuräumen, zu putzen, Karten zu schreiben….und alle die abzuwimmeln, welche uns während der Wartezeit irgendwelche Touren und Ausflüge aufschwatzen wollten. Denn wir waren ja schliesslich nicht die ersten, die hier gestrandet sind ;-). Da Kisoro sonst nichts zu bieten hatte, fuhren wir wieder zurück an den Lake Bunyonyi. Unterwegs trafen wir wieder auf das deutsche Pärchen Thorsten und Leonie, mit welchen wir zwei lustige Tage am Lake Bunyonyi verbrachten. Auch das belgische Pärchen „Jerry“ und Else war wieder mit von der Partie. Lesen, Schwimmen, Musik austauschen, Auto flicken (nun funktionieren Dotschlis schöne Zusatzscheinwerfer auch wieder :-)…die Zeit verging schnell und als wir die Mails checkten, war da wirklich dieses Formular, welches uns das Tor zu Ruanda öffnen sollte, im Briefkasten. Noch gleichentags verabschiedeten wir uns von Thorsten und Leonie und fuhren wieder nach Kisoro. Doch unsere Nerven sollten nochmals kurz geprüft werden: da der Camping am Lake Bunyonyi keinen Drucker hatte, mussten wir das Formular in Kisoro ausdrucken. Doch auch in Afrika funktionieren Drucker nur, wenn Strom vorhanden ist…und das ist nicht immer der Fall. Erst am nächsten Tag hatte Kisoro wieder Strom, also ab ins Internetcafé…doch dort wollte der Drucker auch nicht, irgend ein Problem mit dem Adobe Acrobat Reader – ich war schon nahe dran, all diese „Pleiten“ als Zeichen zu werten, doch nicht nach Ruanda zu fahren…erst im zweiten Café konnten wir diesen Wisch ausdrucken. Der Grenzübergang ging problemlos – Ausstempeln, Visa kaufen, Einstempeln, und hop ins Auto, kaum eine Stunde dauerte die Prozedur. Bereits unter der Grenzbarriere war doppelt zu spüren, dass wir eine Landesgrenze passierten: statt Offroad feinster Teer und wieder Rechtsverkehr – beides nicht unangenehm! Ansonsten änderte sich nicht viel: grün, grüner, Bananen und Teefelder und viiiele Menschen. Auffallend waren jedoch die Dächer der Häuser, welche aus (Well)-Blech bestanden und jeweils in der Sonne richtig glänzten. In Musanze / Ruhengeri tauschten wir Geld, ärgerten uns ab den teilweise sehr aufdringlichen Leuten und den teuren Diesel – hätten wir doch noch in Uganda voll gemacht, mehr als einen Drittel teurer ist er hier in Ruanda….weiter fuhren wir auf Teer nach Gyseni, einem kleinen Städtchen am Lake Kivu. Nur einen Katzensprung entfernt liegt die kongolesische Grenze. Im Reiseführer lasen wir mit Interesse über die bewegte Vergangenheit dieser Region – noch nicht allzu lange her! Von alledem war jedoch nichts zu spüren, wir fühlten uns sicher. Einen Katzensprung südlich von Gyseni suchten wir einen Übernachtungsplatz, doch war dies nicht ganz einfach. Camping kennen die Ruander nicht – wir quartierten uns in einer gehobenen Lodge ein bzw. durften auf dem Parkplatz unser Dachzelt aufklappen. Den hohen Preis machten die Aussicht vom Restaurant, das gute Essen sowie die Atmosphäre allgemein wieder wett.

Palm Lodge am Lake Kivu

Gegen Abend zog ein zünftiges Gewitter auf und unser Dachzelt wurde das erste Mal so richtig getränkt: es regnete fast die ganze Nacht durch. Ausser ein paar Tropfen durch die Nähte an der Seitenwand blieben wir trocken – es hat seine Regenzeit-Taufe bestanden. Das feine Zmorge gönnten wir uns auch noch in der Lodge, bevor wir die Offroad-Piste entlang dem Lake Kivu in Angriff nahmen. Fast hundert Kilometer teilweise üble Piste durch kleine Dörfer, Teeplantagen, alles entlang den Hügeln am Lake Kivu. Wunderschöne, ursprüngliche Landschaft!




Tee-Plantage am Kivu-See
 Tiefe Einschnitte des Wassers, fjordähnlich, kleine Inselchen…wirklich eindrücklich. Leider waren die Menschen wiederum sehr aufdringlich – nicht nur Kinder, auch Erwachsene schrien uns vielfach „Muzungu, Muzungu“ nach, wenn wir sie passierten…nicht unbedingt angenehm. In Kibuyie suchten wir eine Übernachtungsmöglichkeit, doch die paar Hotelklötze sprachen uns nicht gerade an – auch Camping Fehlanzeige. So entschlossen wir uns, den Weg nach Kigali auch noch unter die Räder zu nehmen. Gegen Abend kamen wir in Kigali an, müde nach dieser langen Fahrt. Doch auch hier kein Camping, wir übernachteten auf einem Parkplatz einer Lodge Kategorie D, sprich unterste Stufe. Regen, jaulende Hunde, Verkehr = wenig Schlaf. Tags darauf versuchten wir erneut vergebens, die Schwester unserer Nachbarin in Villa / VS, welche in Kigali lebt, zu erreichen. Kigali selber hatte für unseren Geschmack nicht sehr viel zu bieten. Somit entpuppte sich wiederum das Einkaufszentrum unser Aufenthaltsort Nr. 1, da Internet vorhanden war und dank kenyanischer Supermarktkette Nakumatt eine grosse Auswahl auch an internationalen Produkten. In der deutschen Metzgerei und Bäckerei deckten wir uns wiedermal mit Bratwürsten, Steaks und einem Brot ein. Zu unserer Freude trafen wir auch wieder Torsten und Leonie, das deutsche Pärchen, welche wir bereits am Lake Bunyonyi getroffen haben. Leider ist an ihrem Fahrzeug eine Feder gebrochen, welche sie nun von Deutschland per DHL bestellt haben und darauf warten müssen….


Kibuyie
Die restliche Zeit unspektakulär, die Fahrt an die Grenze zu Tanzania ebenfalls. Weniger hügelig, immer noch grün und eben: voll in der Regenzeit. Es schüttete und schüttete, dank der guten Teerstrasse war dies jedoch kein Problem. Das Grenzprozedere war wiederum einfach und schnell erledigt.









Nun noch kurz zu unserer Lieblingsbeschäftigung im Auto, wenn wir so stundenlang fahren: Mein Freund Stefu deckte mich bereits vor Jahren mit über 300 selber aufgenommen Hörspielen „Die haarsträubenden Fälle des Philipp Maloney“ ein. Nun ja, vielleicht haben wir sie nun alle schon einmal gehört, aber Maloney ist immer dabei und wir geniessen jeden Fall wieder aufs Neue – so geht das!



Fazit Ruanda:

Die Landschaft um den Kivu-See wird im Reiseführer nicht zu Unrecht als atemberaubend beschrieben. Ansonsten unterscheidet sich Ruanda nicht gross von Uganda; Tee, Bananen und Ackerbau prägen das Landschaftsbild. Auffallend ist jedoch der höhere Lebensstandart der Ruander, was sich zuerst in der Bausubstanz der Häuser abzeichnet. Lehmhüttchen wie in Uganda oder Kenya sucht man hier vergebens. Vielleicht mag das auch daran liegen, dass die meisten Leute wirklich arbeiten und nicht nur herumsitzen, wie in andern afrikanischen Ländern. Das hohe Preisniveau (teilweise über demjenigen der Schweiz!) sowie die Tatsache, dass wir nun voll in der Regenzeit unterwegs waren, liessen uns jedoch rasch weiterziehen.

Donnerstag, 10. März 2011

Uganda: 04.03.11 – 11.03.11

Die ersten Veränderungen, welche wir wahrnahmen gegenüber Kenya waren die guten Strassen und die Vegetation: grüner, saftiger, tropischer. Bananenbäume, Palmen und grün leuchtende Teefelder zogen an uns vorbei, als wir Richtung Jinja fuhren. Dort kauften wir eine SIM Karte, wechselten Geld und informierten uns über die Übernachtungsmöglichkeiten. Das Kingfisher Safaris Resort am rechten Nil-Ufer steuerten wir als erstes an: eine luxuriöse Ferienanlage in deutscher Hand, eigentlich nicht unser Stil, aber da sie auch Camping anboten und die Poolanlage lockte, mussten wir nicht lange überlegen. Schön gelegen, mit Blick auf den Nil und den Lake Victoria, Strohhüttenatmosphäre und eben: ein Schwumm im Pool mit anschliessendem „Nile Special“ (kühles Bierchen) waren doch nicht zu verachten…tags darauf war wieder Kilometerfressen angesagt: mehr oder weniger entlang dem Äquator fuhren wir über gute Teerstrasse ca. 350 km nach Fort Portal nahe an der Grenze zum Kongo. In „Kluges Guesthouse“ kehrten wir ein und verbrachten die Nacht auf dem Campingplatz.

Am nächsten Morgen erlebten wir unseren ersten Regen: eine dunkle Wolkenfront zog in atemberaubenden Tempo heran und brachte einige Stunden Schauer, zum Glück konnten wir gerade noch rechtzeitig einpacken und losfahren. Als wir beim Queens Elisabeth Nationalpark ankamen, regnete es immer noch und wir waren nicht sicher, ob wir die doch nicht ganz billigen Eintritt lösen sollten oder nicht. Ein Tee und eine Stunde später hörte es auf zu regnen und wir kauften die Tickets: rein in den Park. Durch hügelige Landschaft, vorbei an Kraterseen, buschige Savannen führte uns der Track zur Fishermans Lodge, wo wir zusätzliche Tickets für eine zweistündige Bootsfahrt auf dem Kazinga-Kanal erstanden. Um drei Uhr gings los: entlang dem River durften wir unzählige Hippos, Nil-Krokodile, Wasser- und andere (komische) Vögel, Büffel, Wildschweine, Lizards und Antilopen bestaunen. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus…So viele verschiedene Tierarten, welche zusammen leben, in freier Wildnis beobachten zu können, war wirklich ein unvergessliches Erlebnis.


Nie Nacht verbrachten wir auf dem Campingplatz im Nationalpark – nicht alleine: weitere Wildschweine teilten den Platz mit uns – sie frassen uns beinahe von den Tellern… Tags darauf versuchten wir unser Glück im Fig tree Camp, wo wir – ohne Reservation – zwei Plätze für das Schimpansentrekking zu ergattern versuchten. Und siehe da: tatsächlich kam eine angekündigte Gruppe zu spät, so dass wir nachrutschen konnten und einen Guide für uns alleine hatte.

 Die nächsten drei Stunden waren wir zu Fuss in der Kyambura Schlucht unterwegs, wo insgesamt drei Schimpansenfamilien, 21 Tiere, an Menschen gewöhnt wurden. Nach kurzer Zeit wurden wir fündig, unser Guide lokalisierte eine Gruppe Schimpansen. Insgesamt 13 Tiere tummelten sich auf einem riesigen Baum und schien sich an unserer Anwesenheit nicht zu stören. Die Kleinen turnten in den Ästen umher, die älteren Tiere nahmen gerade Frühstück zu sich…Das Highlight jedoch war, dass drei Tiere auf dem Weg vor uns Purzelbäume schlugen und der eine sogar auf uns zukam, bis auf einen Meter heran, uns einen Ast anwarf, sich wieder entfernte, und dasselbe ein zweites Mal….ich hatte zuerst tatsächlich fast ein bisschen Angst, als dieser doch nicht gerade kleine Schimpanse zielstrebig auf uns zumarschierte, einen Ast ergriff und diesen gegen uns schleuderte…doch der Guide deutete und, dass wir nicht weggehen sollten, es sei keine Gefahr. Über eine Stunde durften wir bei diesen Tieren verbringen! Schon wieder hatten wir unglaubliches Glück, dass wir dies erleben durften.

Nachmittags fuhren wir weiter südwärts über Kabale an den Lake Bunyonyi. Wunderschön gelegen zwischen steilen Hügeln, welche teilweise bewirtschaftet sind, liegt dieser See auf gut 2000 m.ü.M. Das Wasser dementsprechend kühl, aber billharziose-frei…also ab ins kühle Nass. Leider spinnt seit gestern unsere kleine Canon-Digicam, sie verweigert das Zoomen und macht sich dadurch unbrauchbar. Schon die zweite kleine Kamera, welche uns auf der Reise aussteigt: die erste mussten wir bereits im Tessin beerdigen. Auch sie machte sich selbständig, in dem sie mir nichts dir nichts einfach abstellte oder die Speicherkarte nicht erkannte. Zum Glück haben wir uns in der Schweiz mit einer dritten Kleinen eingedeckt…als hätten wir gewusst, dass uns Canon nicht gut gesinnt ist auf dieser Reise. Nun beten wir für die Elektronik von Nikon…
Lake Buyonyi

Zwei Tage Waschen, Aufräumen, Reiseführer über Ruanda lesen, Navi mit POIS (Points of Interests) füttern, Lesen, Kanu fahren…wir waren schnell unterwegs die letzten Tage und genossen das Nichtstun und die Ausflüge auf den See. Auch Dotschli hatte eine Pause verdient, denn wir hörten von anderen Overlandern, dass er in der Regenzeit in Tanzania wieder gefordert sein würde…

Fazit Uganda:

Oha, wir haben das Fazit Kenya vergessen: kurz zum Nachholen. Kenya war nach Äthiopien wirklich ein Aufsteller, vor allem was die Menschen betrifft. Wir haben uns wohl gefühlt in Kenya, willkommen, und nicht nur als give-me give-me. Die ersten Nationalparks und natürlich der Mt. Kenya waren der Hammer…doch nun zu Uganda, dem Land des Tees und der Bananas. Grüne Bananen, gelbe Bananen, grosse und kleine Bananen – und lecker sind sie obendrein auch noch. Das Land ist grösstenteils – jedenfalls was wir gesehen haben und das ist ja nicht sooo viel – grün, fast tropisch und eben übersät von den leuchtenden Teefeldern und Bananenplantagen. Die hügelige Landschaft im Süden zu Ruanda mit den vielen Seen war wirklich traumhaft schön. Kulinarisch können wir leider nichts sagen – wir haben immer selber gekocht…Uganda hat uns sehr gefallen.

Samstag, 5. März 2011

Kenia, Teil 2: 29.02.11 – 04.03.11

Dies wird wohl der kürzeste Bericht überhaupt, da er nur ein paar Tage abdeckt. Vom JJ’s (Jungle Junction) direkt in den Supermarkt (SUPER Brot, fast wie zu Hause) und von da nordwärts über Nakuru direkt hoch zum Baringo-See. Landschaftlich wenig spektakulär, es wurde immer wie trockener und heisser. Am Wegrand verkauften Einheimische in kleinen Fläschchen Honig – schade, dass wir uns im Nakumatt schon eingedeckt hatten…Am Baringo-See checkten wir beim Roberts’ Camp ein, direkt am See und wiederum fast alleine. Dieser See ist bekannt für seine dichte Population von Krokis und Hippos.

Beim Einchecken im Camp mussten wir daher einen extra Wisch unterzeichnen, dass das Camping auf eigene Gefahr und so weiter erfolge – eben das Kleingedruckte für Juristen .... Auch das grosse Warnschild vor unserer Nase zeugt davon, dass es wohl schon einigen unvorsichtigen Touristen ans Eingemachte gegangen ist…Nachts auf die Toilette alleine – Fehlanzeige. Über eine Telefonnummer konnte man bei Bedarf einen Wärter aufbieten, der dann den Toilettengang bewaffnet begleitet – wir haben darauf verzichtet. Und siehe da, schon kurz nach unserer Ankunft kamen sie herbeigeschwommen, die Krokis – und lieferten sich auch ab und zu ein kleines Kämpfchen. Nachts hörten wir die Hippos schnaufen, grunzen und ächzen, aber gesehen haben wir leider keines. Tags darauf machten wir uns früh auf die Socken: Querung des Rift Valleys, zurück nach Eldoret (Nakumatt zum Letzten: Vorräte auffüllen) und von da nach Webuye, wo wir ein letztes Mal in Kenya übernachteten. Der Grenzübertritt verlief unspektakulär – Ausstempeln von Pass und Carnet, Strassengebühren bezahlen, Einstempeln von Pass und Carnet in Uganda, Strassengebühren bezahlen, Geld wechseln, Visum bezahlen und: welcome to Uganda.

Dienstag, 1. März 2011

Kenya, Teil 1: 09.02.11 – 28.02.11

Die breite sandige Piste führte uns weiter gegen Süden, alles entlang dem Turkana See. In einem kleinen Dörfchen luden wir einen Einheimischen auf unser Dach, welcher ins übernächste Dorf mitfahren wollte. Eine Hand wäscht die andere: er hatte eine Mitfahrgelegenheit und wir einen „Local“, der den Weg kannte und zudem fühlte ich mich doch ein bisschen sicherer mit einem Einheimischen auf dem Dach ;-). Dieses Spielchen wiederholte sich noch zwei Mal…Ach ja, und ich merkte plötzlich auch, dass in Kenya Linksverkehr herrscht…aber auf der guten Piste hatte ja eh nur ein Fahrzeug platz und wen kümmerte das schon: es kamen ja eh keine Fahrzeuge entgegen. Nach vier Stunden teilweise weichsandiger aber guter Piste erreichten wir Kalokol, wo uns ein junger Mann auf eine Lodge in Eliye Springs aufmerksam machte – und uns dorthin führte. Erneut durften wir ein wahres Paradies kennen lernen: ein Schweizer (Rolf) hat sich da ein paar Strohhütten nach Schweizer Standart ausgebaut und vermietet diese nun an Touristen.

Elyie Springs am Lake Turkana

Traumstrand am Lake Turkana, Billharziose-frei (DANKE Dani ;-)), das Wasser ca. 30 Grad warm (tagsüber im Schatten ca. 35-40 Grad…), also kaum eine Abkühlung. Wir genossen trotz der Hitze ein paar Tage Erholung und bereiteten uns auf das weitere Kenia vor: welche Nationalparks wollen wir besuchen? Wollen wir nach Uganda / Ruanda oder direkt nach Tanzania runter? Karten studieren, Reiseführer lesen…uff ist das anstrengend ;-)! Rolf half uns mit der weiteren Planung – er lebt schon 15 Jahre in Kenia und hat uns beraten, welche Parks sich lohnen und welche weniger. Fast eine Woche lang genossen wir das Strandleben, meist mutterseelenalleine….und waren froh, die Westroute entlang des Turkana-Sees gewählt zu haben, nicht nur uns, sondern auch Dotschli zu liebe. Von andern Reisenden haben wir gehört, dass die Ostroute den Fahrzeugen doch arg zusetzen würde…

Auf übler Strasse (welche vor Jahren mal geteert war – davon blieben aber nur Reste und riiiesen Löcher übrig…) gings weiter südwärts über Lokichar zum Marich Pass Field Studies Centre, einem Campingplatz mit Bungalows, wo viele (vor allem englische) Universitäten Forschung von Flora und Fauna betreiben. Wie waren wir froh, nach 8 Stunden anstrengender Fahrt in eine solch schöne Oase zu kommen. Wir campten unter schattigen Bäumen, in welchen kleine Affen ihr Unwesen trieben, und wir konnten diesem Treiben wie im Zoo zuschauen! Das Camp liegt direkt an einem Fluss – ein Bad war natürlich ein Muss ;-) Den nächsten Tag verbrachten wir mit einem schönen Morgenspaziergang – ein wahrer Genuss, weil uns weder eine Kinderschar noch sonst jemand folgte – mit Lesen, Brot backen und Aufräumen. Ja, auch das muss halt manchmal sein. Tags darauf fuhren wir über den Marich Pass nach Kapenguria, wo wir einen Markt-Halt einlegten. Nun merkten wir, dass wir wohl wirklich in Afrika angekommen waren: freundliche, unaufdringliche Menschen, ein Gewühl von Kleiderständen, Früchte- und Gemüseständen und der Fisch fehlte auch nicht. Wir deckten uns ein, kauften eine lokale SIM Karte und fuhren weiter südlich zum Saiwa Swamp National Park, dem kleinsten Nationalpark Kenias. Am Entrance Gate erkundigten wir uns nach den Preisen und kauften die Tickets: Eines für Corinne, eines für mich, eines für Dotschli, dann eines zum Campen für Corinne, eines zum Campen für mich, eine Quittung für die Broschüre – gibt glatte sechs Tickets und minus 80 US-Dollar. OK, nun aber rein und hoffen, dass wir auch was sehen: dieser kleine Park besteht aus einem Sumpf, der nur zu Fuss erkundet werden kann. Über Laufstege marschierten wir die nächsten vier Stunden durch diesen Park und bekamen doch allerhand zu sehen: Sitatunga-Antilopen (können schwimmen und leben im Sumpf!), Vervet Affen, Brazza Affen, Otter und zahlreiche Vogelarten durften wir am ersten Tag bestaunen. 
im Saiwa Swamp Nationalpark

Das Camp liegt wunderschön mit Blick auf den Sumpf und – wir waren die einzigen Touristen weit und breit! Die Nacht war leider weniger erfreulich: ca. 1 km vom Camp entfernt, bereits ausserhalb des Nationalparks, arbeiteten mehrere Locals die ganze Nacht lang - und neben ihnen ein Fernseher, der wohl halb Kenya mit Sound belieferte. Um 3 Uhr morgens weckte ich genervt einen Ranger, der für Ruhe sorgen sollte…doch eben, wir sind ja in Afrika und da ist nicht alles so, wie wir es uns vorstellen. Es wurde denn zum Glück auch so Morgen und der Kaffee schmeckte mir trotzdem.

Über Kitale fuhren wir nach Eldoret, die drittgrösste Stadt Kenyas. Dort erhofften wir uns schnelleres Internet, schon lange hatten wir nicht mehr mit unseren Eltern telefoniert (skype sei Dank!). Die Suche nach einem Schlafplätzchen in der Stadt selber gestaltete sich ein bisschen schwierig. So landeten wir in einem Nobelschuppen – die Dame an der Reception hatte wohl noch nie einen Overlander gesehen, der im Auto auf dem Parkplatz nächtigen will…der Chief Officer Senior Manager himself kam sich am nächsten Morgen entschuldigen und wenn wir möchten, sollten wir doch noch eine Nacht länger bleiben…Das Internet war wirklich brauchbar – eine Wohltat nach Äthiopien. Wir konnten skypen, den Äthiopienbericht 2 inkl. Fotos hochladen und Infos sammeln für die Weiterreise. Am nächsten Morgen ging’s zuerst ins Shoppingcenter Nakkumat: unglaublich, was nun plötzlich alles wieder zu kaufen war. Das Sortiment war teilweise grösser als in der Schweiz oder Frankreich, wir verbrachten Stunden damit, einfach durch die Regale zu schlendern…;-), Gewürze, Saucen, Fleisch und sogar Granny Smith Äpfel landeten im Einkaufswagen.

Weiter ging’s auf der Hauptverkehrsachse ins Kembu Camp, kurz vor Nakuru. Das Camp ist eigentlich eine Farm, wunderschön gelegen inmitten „wilder“ Felder, welche hier im Gegensatz zu Äthiopien mit schweren Maschinen wie in Europa bewirtschaftet werden. Auch das Camp selber traf unsern Geschmack zu 100 %: schöner Rasen, eine nette Bar mit free Ping-pong und Billard, ein Bierchen am Cheminée nach dem Nachtessen – sprich: Ferien pur. Solche Erholung waren wir uns gar nicht mehr gewohnt und wir genossen es daher doppelt. Auch die Gastgeber waren freundlich und offen. Am nächsten Morgen gönnte ich Dotschli ein bisschen Fett an die Kardan- und andern Schmiernippel und wir besichtigten ein „Projekt“ einer Engländerin, um einheimische Frauen einen Arbeitsplatz zu geben: die „Kenana Knitter Critter Farm“ (www.kenanaknitters.com). Die Landwirtschaft alleine würde eine Grossfamilie kaum ernähren können. Nebst dem Einkommen bietet dieser Platz den bis zu 250 Arbeitnehmerinnen vom Schulunterricht über PC-Unterricht, Kinderhort bis hin zu einer kleinen homöopathischen Klinik. So werden hier reihenweise Teddys, andere kleine Tierchen, Pullover, Decken, Mützen, Teppiche, Socken etc. gestrickt – alles für den Export in den Westen. Wir nützten natürlich auch die Gelegenheit, um einerseits einen Beitrag an dieses aus unserer Sicht sehr sinnvollen Projekt zu leisten und um ein paar nette Souvenirs zu kaufen. Unter anderem begleitet uns seit diesem Besuch dieser kleine Schutzengel – hoffentlich werden wir ihn nie ernsthaft brauchen ! 
Schutzengel


Über Nakuru ging’s weiter durchs Hochland über Nyahururu, Nyeri bis nach Naru Moru bzw. ca. 7 km nördlich davon in die Mountain Rock Lodge. Dort organisierten wir uns ein Highlight unserer Afrikareise: ein 5-tägiges Trekking auf den Mt. Kenya bzw. auf den Point Lenana. Die beiden Hauptgipfel des Mt. Kenya sind für unsereins nicht besteigbar: zu technisch, zu anspruchsvoll. Nachdem wir in den Simien Mountains selber gekocht, im Zelt geschlafen und alles selber organisiert hatten, buchten wir dieses Mal ein „all inclusive“ Package. Übernachtungen in SAC-ähnlichen Mountain-huts inkl. Food für fünf Tage.


Trekking Mt. Kenya / Point Lenana (4985 m.ü.M.)
Nachdem wir in Nanyuki die gesamte Crew (bestehend aus 4 Trägern, einem Koch und dem Guide Francis) sowie die Verpflegung in den Minibus geladen hatten, wurden wir ca. eine Stunde zum Entrance Gate des Mt. Kenya National Park gefahren.

Dort zauberte Joseph, der junge Koch, ein leckeres Zmittag auf den Tisch und danach machten wir uns auf die Socken. Der Weg ins erste Camp, Old Moses Camp (3300 m.ü.M.) war einfach und relativ kurz (2 h), aber nicht minder interessant: der Feldweg führte durch vier verschiedene Vegetationszonen. Bitte fragt mich nicht, wie diese heissen – Francis erklärte viel, doch seine Aussprache, unser nicht immer topaktuelles Englisch sowie die Höhenluft führten dazu, dass nicht alles in unseren Hirnzellen gespeichert blieb…zuerst marschierten wir im dschungelähnnlichen Wald, dann wechselten wir in eine „Bambuszone“, bevor wir durch kniehohe Büsche und zuletzt über der Waldgrenze im Gras zur Old Moses Hut kamen. Dort servierte Joseph Tee, Pop Corn und Biscuits. Komfort und Sauberkeit kann nicht mit unseren SAC-Hütten in der Schweiz verglichen werden: die durchgelegenen Matrazen haben keine Leintücher, die Toiletten sind teilweise einfach ein Loch und selbst in den Schlafräumen teilten wir den Platz mit Mäusen…Joseph leistete auch Abends volle Arbeit (vgl. Bild), wir assen wie die Fürsten….Francis erklärte uns anhand der Karte den nächsten Tag und schon bald verkrochen wir uns in die Schlafsäcke. Auch wenn das Old Moses Camp noch nicht derart hoch gelegen ist: wir haben gefroren wie im dicksten Winter.


Im Shipton's Camp
 
Tag zwei begann mit Kaffee, Tee und – in Kenya gibt’s leider nur weisses Toastbrot – eben weissem Toastbrot, so dachten wir, und begannen mit Schmieren von „Gonfi-Brötli“. Als wir schon fast genug gegessen hatten, tischte uns Joseph ein wahrhaftiges „Buure-Zmorge“ mit Speck, weissen Bohnen, Omeletten, Eiern und Würsten auf! Eine reichhaltige Früchteplatte durfte natürlich auch nicht fehlen. Au weia – mit derart vollem Bauch gings dann doch weniger schnell den Berg hoch…durch macchia-ähnliche Büsche führte der Weg hinauf, wir querten zwei Seitentäler und als wir das dritte erreichten, konnten wir endlich unser Ziel sehen: den Mt. Kenya bzw. eben den Point Lenana, gerade neben dem Hauptgipfel „Batian“. Dem Mckinder-valley entlang marschierten wir den letzten Teil des Weges hinauf in das 4200 m.ü.M. gelegene Shipton’s Camp. Süsse murmeltier-ähnliche Tiere huschten flink über die Steine und schienen keine Angst vor Menschen zu haben: wir konnten bis ca. einen Meter an sie heran! Die insgesamt sechs Stunden reine Marschierzeit sowie die sich bemerkbar machende Höhe führten dazu, dass wir nach der Tea-time ein Nickerchen in den Schlafsäcken nahmen. Joseph gab wieder alles – das Znacht war fürstlich, wenn auch in frostiger Umgebung: der Ess-Saal war nicht geheizt, es zog durch alle Ritzen und Spalten…die Mäuse tanzten wieder Tango in der Nacht und die Höhe führte zu Kopfschmerzen, sprich: die Nacht war kurz und unangenehm.
Am zweiten Morgen wussten wir, welch Zmorge uns erwartete und so schmierten wir uns keine weissen schlapprigen Toastbrote…wieder bei wolkenlosem Wetter marschierten wir nicht direkt auf den Gipfel des Point Lenana, sondern schalteten noch einen Akklimatisationstag ein. Über den „Hausberg-Col (4600 m.ü.M.) führte der Weg hinab zu zwei wunderschönen Bergseen (leider saukalt, also kein Bad…), wiederum über einen weiteren Pass, entlang weiterer Bergseen schlussendlich rund um die beiden Hauptgipfel hinab zum Mackinder’s Camp (4200 m.ü.M.). Nicht minder geheizt, doch mit weniger Kopfschmerzen und voller Vorfreude auf den nächsten „Haupttag“ schliefen wir nach dem obligaten Joseph-Znacht ein paar Stunden. Um halb drei in der Nacht liessen wir uns wecken und nach einem warmen Tee machten wir uns auf die Socken. Der Mond war derart hell, dass wir unsere Stirnlampen gar nicht brauchten. Über eine Moräne führte der Weg steil hinauf, zick-zack, immer höher. Glücklicherweise machte sich die Höhe kaum bemerkbar, Corinne kämpfte ein bisschen mit einer Erkältung, aber ansonsten fühlten wir uns tip-top. Auf 4'800 m.ü.M. erreichten wir um halb sechs die Austrian Hut, wo wir einen heissen Tee serviert erhielten und nach einer halben Stunde Pause wieder aufbrachten. Am Horziont machte sich ein neuer Tag bemerkbar, die Farben waren prächtig! Eisiger Wind kam uns auf dem Gipfelgrat entgegen, teilweise so stark, dass wir auf allen vieren weitergehen mussten.

Auf dem Point Lenana
Der Gipfelaufschwung hielt noch ein paar „wunderschöne“ Tiefblicke gepaart mit Kletterpassagen (2-3. Grad) als Überraschung bereit, wir fühlten ein paar Mal das Adrenalin in uns…eingepackt in Windstopper, Gore-Tex Jacke und Regenhose kämpften wir uns aufwärts. Um sechs dann der grosse Moment: auf dem Point Lenana (4985 m.ü.M.) zu stehen und bei wolkenlosem Himmel den Sonnenaufgang zu geniessen ist und war ein unvergessliches Erlebnis. Davon haben wir geträumt und nun durften wir diesen Moment wirklich erleben. Die Rundsicht war grandios, die aufgehende Sonne verwandelte die zum greifen nahen Hauptgipfel des Mt. Kenya in orangefarbene Naturgebilde. Diesen Moment in Worte zu fassen ist kaum möglich…Die Kälte zwang uns nach etwa einer Stunde zum Abstieg: direkt unter uns sahen wir das Shipton’s Camp, wo wir die Nacht zuvor verbracht hatten. Wie schön wäre nun ein Gleitschirmflug…Nach ca. zwei Stunden Abstieg erwartete uns an der Sonne draussen ein gedeckter Zmorge-Tisch – wie im Bilderbuch. Sonne, Aussicht auf die schroffen Gipfel des Mt. Kenya-Massives, Kaffee und das leckere Heavy-duty-Zmorge…wir haben’s verdient. Um neun machten wir uns wieder auf, auf bekanntem Weg zurück in das Old Moses Camp. Die Füsse und Beine begannen zu schmerzen, die „Blatern“ machten sich bemerkbar, doch all das konnte unsere Laune nicht beeinträchtigen. Die Porters (Träger) überholten uns jeweils in einem Affentempo….Das Wetter machte voll mit, unsere Crew war top und auch die Erkältung von Corinne hielt sich noch in Grenzen. Eine letzte Nacht im Old Moses Camp, ein kurzer Abstieg am fünften Tag zum Sirimon’s Gate des Nationalparks und der Transport im Matatu (Minibus) zurück zur Mountain Rock Lodge, wo Dotschli brav auf uns wartete: das Trekking war ein voller Erfolg und wird uns ein Leben lang in bester Erinnerung bleiben! Den Nachmittag verbrachten wir mit Retablierung: waschen, aufräumen, Füsse hochlagern, auskurieren und Bericht schreiben…Brot backen und als Krönung servierten wir uns zum Znacht ein echtes schweizer Gerber-Fondue (leider das letzte…)!

Tags darauf – das Fondue lag schwer in unseren Mägen, wir waren uns das nicht mehr gewohnt… - legten wir einen Einkaufs- und kurzen Internethalt in Nyanuki ein, bevor wir über neu geteerte Asphaltstrasse nach Meru fuhren. Diesel bunkern und ab in den grossen, aber touristisch kaum bekannten Meru-Nationalpark. Schon kurz nach dem Eingangs-Gate wurden wir belohnt: Elefanten, Giraffen, Zebras, Antilopen, Springböke (ich sag denen so – keine Ahnung, wie sie richtig heissen…), ein wahres Paradies inmitten äusserst abwechslungsreicher Landschaft. Von trockener Savanne bis hin zu den Oasen entlang der Flussläufe und Sümpfe. Wir fuhren, meist im Schritt-Tempo und Corinne auf dem Dach, stundenlang durch diese traumhafte Landschaft und versuchten, möglichst viel von dem Tierreich aufzusaugen. Ein Klopfen von Corinne auf das Dach und ich hielt an, kletterte ebenfalls aufs Dach, um möglichst einen guten Überblick zu bekommen. Etwas mulmig war uns doch zu mute, als sich die Elefantenherde plötzlich uns zuwandte und entgegenkam…auch die Rhinos sind extrem imposante „Viecher“, welchen wir grossen Respekt entgegenbrachten. Gegen 15 Uhr steuerten wir das Public Camp an (die privaten Campingplätze im Park sind –abgesehen von den doch recht happigen Parkgebühren als solches nochmals um einiges teurer) und machten eine Pause, bevor wir zu einer Dämmerungs-evening-game-drive aufbrachen: seht selbst, die Fotos können zwar längst nicht alles wiedergeben, aber einen Eindruck hinterlassen sie allemal. Wir waren überwältigt von der Landschaft und den Tieren…

Um halb sechs in der Früh ging der Wecker, ohne Frühstück zogen wir wieder los, um die Frühaufsteher unter den Tieren zu beobachten. Unterwegs im Busch gabs dann doch noch ein Müesli zum Zmorge, der Hunger machte sich trotz allem bemerkbar. Den Mittag / Siesta verbrachten wir wiederum im Camp: ein Swimmingpool ermöglichte uns ein erfrischendes Bad, bevor wir wieder Brot bucken und das Znacht bereitmachten (damit wir nicht nach dem Evenig-Game-Drive noch in die Küche stehen mussten). Abend- und Morgen-Game-Drive führten uns wiederum schönste Natur- und Tiererlebnisse vor Augen. Und wer hätte das gedacht: sogar eine Löwin durften wir bei ihrer Morgen-Siesta beobachten.

Wie unsere Stubentiger (Millie und Fritzli) lag sie da und schien sich nicht an uns zu stören. Ein Blinzeln, dann wieder die Augen schliessen, ein Kontrollblick und weiterdösen…Ein wirkliches Spektakel erlebten wir, als eine Büffelherde von mindestens 300 Tieren im Galopp die Piste überquerte. Wir spürten das Beben der Erde und das Donnern der Hufe war wohl meilenweit zu hören…solche gewaltigen Schauspiele einerseits und feine kleine Begegnungen, beispielsweise mit kleinen bunten Vögelchen andererseits machten diesen Aufenthalt im Meru-Nationalpark zum besonderen Erlebnis, insbesondere auch, weil dieser Park touristisch kaum bekannt und daher nicht überlaufen ist. Wir sind in diesen zwei Tagen ca. fünf Autos begegnet…

Corinne kämpfte mit einer groben Erkältung bzw. Grippe und bekam von der Fahrt vom Meru-Park nach Nairobi wohl nicht allzu viel mit. Ich fuhr die neun Stunden durch und war froh, am Abend die „Jungle-Junction“ heil und ganz erreicht zu haben. Ohne GPS hätte ich wohl länger gesucht… Hier treffen sich alle Overlander auf der Ostroute, sei es süd- oder nordwärts reisend – es gibt viel zu sehen und zu erzählen, DER Treffpunkt schlechthin. Freies Internet (OK, wenn es denn mal geht…), warme Duschen, riiiiesen Supermarkt in der Nähe – Herz, was willst Du mehr. Zeit, den nächsten Abschnitt zu planen, mit andern Reisenden zu plaudern, Reiseführer auszutauschen, Blog zu aktualisieren…und und und….