Mittwoch, 16. Februar 2011

Äthiopien, Teil 2: 01.02.11 – 08.02.11

Die Botschaftstour in Addis Abeba war ziemlich einfach, da wir ja nur das kenianische Visum brauchten und der Schweizer Botschafter uns nicht persönlich empfangen konnte. Auch der Verkehr war nicht besonders anstrengend, kein Vergleich zu Kairo…so dass wir bald unsere Besorgungen erledigt hatten. Fränzi und Gerry versuchten derweil noch einen Abstecher nach Djibouti zu machen, jedoch vergeblich, da ihnen das Visum an der Grenze verweigert wurde. So trafen sie ein paar Tage nach uns in Addis ein, als wir schon wieder bereit waren, um gegen Süden weiterzufahren.

Wims Holland House

Die südlichen Vororte von Addis Abeba waren im Vergleich zu den nördlichen kaum nennenswert, viel (Schwer-) Verkehr, flache Landschaft und nichts, was uns da behalten hätte. Wir fuhren auf guten Teerstrassen via Mojo an den Lake Langano – wieder ein 8-9 Stunden Tag im Auto.



Lake Langano
 Dieser See war gemäss unserem Reiseführer einer der einzigen in Äthiopien, in welchem man Billarzhiose-frei baden konnte und dies durften wir uns jaaaa nicht entgehen lassen. So fanden wir tatsächlich ein Traumplatz: mutterseelenalleine, unter schattenspendenen Bäumen, in mitten noch intakter (Vogel-) Natur…da liessen wir es uns zwei Tage so richtig gut gehen und genossen die kinderlose Ruhe Äthiopiens ;-). Da es uns jedoch weiter Richtung Kenia zog, brachen wir bald wieder auf – nach Arba Minch. Die Vegetation änderte sich allmählich: der Süden ist fruchtbarer und wir fuhren entlang endloser Mango- und Bananenplantagen, kauften am Strassenrand direkt von den Kindern (als wir anhielten, hatten wir eine Schar von ca. 30 Kindern um uns, welche alle Bananen und Mangos verkaufen wollten) ein – wunderbar. Die Strassen waren teilweise neu geteert – ein komisches Bild: superneuer Teer, aber kaum Autos, sondern Rinder, Ziegen, Schafe, Menschen….was das Vorwärtskommen auch nicht erleichterte. Je weiter wir südwärts fuhren, desto trockener wurde die Erde wieder. In Arba Minch verbrachten wir nur eine Nacht – die Suche nach einem Schlafplatz war nervig und wir hatten die „Art“ der Menschen ein bisschen satt. Aufdringlicher ging es kaum…weiter gings am nächsten Tag auf einer Piste nach Key Afar im Omo Valley. In dieser Region leben verschiedenste Menschenstämme, welche sich teilweise touristisch „vermarkten“. Touristen bezahlen „Eintritt“ in ein Dorf, bezahlen pro Foto 1-5 Birr (= ca. 5-20 Rappen) und können so im menschlichen Zoo wohl noch relativ ursprüngliche Lebensform dieser verschiedenen Stämme kennen lernen. Wir hatten jedoch nicht vor, ein solches Dorf zu besuchen und entschlossen uns daher, vorerst alleine weiterzuziehen (Gerry und Fränzi teilten uns mit, dass sie in Jinka einen Guide anheuern wollten). In Turmi besuchten wir stattdessen einen lokalen Markt, wo die „Hamer“ ihre Handwerkskunst verkauften. So konnten wir einerseits schöne Souvenirs kaufen und auch in Kontakt zu einem solchen Stamm kommen.

Hamer-Markt in Turmi

Am nächsten Tag fuhren wir weiter auf einer Piste nach Omorate, wo wir uns entscheiden mussten, ob wir östlich oder westlich am Turkana See nach Kenia einreisen wollten. Da wir nicht mehrere Tage in Omorate auf Fränzi, Gerry und die andern warten wollten, entschieden wir uns, die Fähre über den Omo River zu nehmen und westlich des Lake Turkana nach Kenia einzureisen. Auch haben wir von andern Overlandern gehört, dass die Piste im Osten des Lake Turkana teilweise recht übel und man gute 4 Tage offroad unterwegs sei. Also suchten wir den Sheriff der Fähre…nach zähen Verhandlungen einigten wir uns auf einen immer noch stolzen Preis von CHF 90.- für die Überquerung des Omo River (entspricht etwa der Aare) auf seiner nicht mehr ganz neuen „Fähre“. Diese bestand aus einem mehrbesseren Floss, welches vorne und hinten mit einer elektrischen Seilwinde ausgerüstet war – den Strom lieferte ein alter Dieselgenerator. Die Jungs machten aber einen guten Job und wir waren noch gleichentags ennet dem Omo.



Fähre über den Omo-River
 Nun wollten wir eigentlich die auf der Karte eingezeichnete Piste gen Süden nehmen, doch weit und breit keine Piste, sondern nur einzelne Spuren, welche sich im Nirgendwo verloren…zudem dämmerte es bereits. Langsam wurden wir leicht nervös, da wir uns in nicht ganz harmlosem Gebiet befanden und wir die Nacht nicht alleine dort verbringen wollten. Nach einer Stunde umherirren (wenn wir einen Einheimischen fragten, war die Verständigung unmöglich und diese Leute waren noch nie weiter als ihr Dorfrand….) trafen wir auf einen englisch-sprechenden Jungen, der uns einen Guide „verkaufte“ und uns nahe legte, wir sollten ja nicht im Dunkeln weiterfahren, dieses Gebiet sei nicht sicher. Also nahm Corinne hinten Platz, der bewaffnete Guide vorne neben mir. Immer wieder deutete er an, ich solle doch schneller fahren, damit wir das Dorf noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen…so bretterte ich über die Piste und – wir schafften es bis ins nächste Dorf nahe der Grenze. Sofort wieder umringt von Einheimischen entschieden wir uns, noch bis zum Grenzposten zu fahren und dort zu übernachten. Spuren hatte es keine mehr, doch der Boden war zum Glück fest genug, um einfach quer durch die Pampa nach Kompass bzw. Navi zu fahren. Der Grenzposten von Äthiopien bestand aus ein paar Betonhäuschen auf einer Anhöhe – wir wurden herzlich empfangen von den drei Polizisten (in zivil). Auch sie rieten uns, nicht weiterzufahren in der Dunkelheit…;-). Also verbrachten wir die Nacht bei diesen Polizisten, ein bisschen mulmig war uns schon zu mute. Am nächsten Morgen machten wir uns früh auf die Socken und versicherten den Grenzpolizisten „nein, wir halten nicht an, wenn uns jemand versucht zu stoppen“ und „ja, bei den kenianischen Polizisten halten wir dann wieder an, sonst gibt’s Ärger“ ;-). Gesagt getan, jedoch von Unsicherheit oder sonstigen Problemen merkten wir überhaupt nichts. Auch die Piste war gut zu finden und auf der kenianischen Seite war das T4A (Tracks for Africa, eine afrikanische Karte auf dem GPS) wieder genauer und damit brauchbar. Die kenianischen Polizisten waren überaus freundlich, erfreut uns zu sehen (nach wohl langer Pause ohne Besuch) und wünschten uns in perfektem Englisch einen schönen Aufenthalt in Kenia.

Fazit Äthiopien:

Äthiopien ist definitiv KEIN Pick-Nick-Land, auch wenn die Landschaft geradezu dafür geeignet ist. Die Kombination zwischen der Wander-Woche in den Simien-Mountains, dem Offroad-Abstecher in die Danakil-Wüste und zum Erta-Ale-Vulkan, dem Kultur-Besuch der Felsenkirchen in Lalibela, den Ferientagen am Lake Langano sowie dem Süden Äthiopiens im Omo Valley machte Äthiopien für uns zu einem spannenden Reiseland. Da wir uns nirgends ungestört frei bewegen oder gar campen konnten, die meisten Leute und vor allem die Kinder keine Privatsphäre respektierten („you you you, give me money, give me pen, give me give irgendöppis“ – bis hin zum Steine werfen auf Zelt und Auto = strapazierten unsere Nerven täglich von Neuem), empfanden wir Äthiopien als recht anstrengend. Kulinarisch war vor allem die Kaffee-Zeremonie ein Genuss (vor allem für Adi), die Injiera (säuerliche „Omelette“, serviert mit scharfen Saucen / Fleisch) und die scharfen Gewürze entsprachen uns eher weniger, so dass wir uns eher an die europäische Küche hielten.


an der Grenze zu Kenya

P.S. Es sind entsprechend neue Fotos im Äthiopien-Album.

Sonntag, 30. Januar 2011

Äthiopien, Teil 1: 03.01.11 – 30.01.11

So einfach die Ausreise aus dem Sudan war, so schwierig bzw. mühsam wurde die Einreise nach Äthiopien. Die Bestätigung der schweizerischen Botschaft in Addis Abeba, wonach wir unser Dotschli in Äthiopien nicht verkaufen würden, hatten wir schon in Kairo besorgt. Nun versuchte uns dieser junge Grenzbeamte weiszumachen, dass just vor 3 Tagen eine neue Regelung eingeführt worden sei, wonach wir nun vom Aussenministerium Äthiopiens eine spezielle Bewilligung besorgen müssten, bevor wir einreisen könnten. OK, wir warteten ab und nach ca. 2 Stunden nahm mich derselbe Beamte auf die Seite und erklärte mir, dass er diese Regel brechen würde, wenn wir pro Auto 50 US-Dollar (natürlich nicht für ihn, sondern für seinen Chef) bezahlen würden. Ich machte ihm klar, dass wir dies nicht bezahlen würden. Nach einer weiteren halben Stunde gab er sich damit zufrieden, wenn wir ihm für alle 4 Fahrzeuge 50 US-Dollar bezahlen würden. Die Carnets und die Pässe wurden gestempelt und als wir durch den Zirkus durch waren, wollte er nun die Dollars haben. Ich sagte ihm dann, dass ich diese nur an den Chef persönlich und nur gegen Quittung bezahlen würde. Also suchte ich den Chef und dieser teilte mir mit, dass ich dem jungen Beamten nichts glauben solle…also machte ich mich aus dem Staub und wir passierten die Grenze…Es ist schon unglaublich, wie versucht wird, den Travellern die Dollars aus der Tasche zu ziehen, vor allem wenn man bedenkt, dass 50 US-Dollar hier in Äthiopien wohl ein Jahresgehalt eines Äthiopiers ist.

Kaum waren wir ännet der Grenze wechselte die Landschaft schlagartig. Die Strasse schlängelte sich um licht bewaldete Hügel, es wurde bergiger und ging bis auf 2200 m.ü.M hinauf. Kleine Dörfer säumten die Strasse und vor allem die Kinder winkten uns stets zu, schrien „money, money“ oder „ui ui ui ui“. Die Strasse wurde nicht vom Verkehr, sondern von Eseln, Ziegen, Schafen, Menschen in Beschlag genommen und leider mussten wir auch mit erleben, dass die Bevölkerung hier sich noch nicht an Verkehr gewöhnt hat. Als ich durch ein Dörfchen fuhr, sprang plötzlich ein ca. 3 Jahre altes Mädchen auf die Strasse hinaus, ohne zu schauen. Natürlich hat es uns nicht wahrgenommen, so dass ich eine Vollbremsung machen musste. 3.5 Tonnen, kein ABS, der Bremsweg schien mir unendlich lang und ich sah schon vor meinen Augen, dass wir das kleine Mädchen erfassen würden. Unsere tausend Schutzengel waren jedoch bei uns und dem Mädchen gelang es, ca. 15 cm vor unserer Stossstange auf die andere Seite der Strasse zu gelangen. Ich hatte einen kleinen Schock, war unfähig, weiterzufahren, so dass Corinne übernahm. In Gesprächen mit andern Travellern erfuhren wir, dass es scheinbar auch Äthiopier gab / gibt, die sich absichtlich anfahren lassen, um dann von den Verursachern mit Geld versorgt zu werden. Seit dem durchqueren wir die Dörfer mit max. 30 km/h…

Weiter gings nach Gondar, wo wir eine äthiopische SIM Karte kauften und am einzigen Automaten äthiopische Birr bezogen. Kurz nach Gondar entdeckte Corinne fast per Zufall eine lokale Bier-Brauerei. Wir machten halt und nach einem Security-Check standen wir inmitten der Äthiopier-Oberschicht, welche im lauschigen Garten die verschiedenen Biersorten, leckeres Essen und Musik genossen. Das liessen wir uns nicht nehmen und schlossen uns an…;-). Ein halber Liter Dunkles kostete gerade mal 70 Rappen…das fühlte sich an wie Ferien!

Da wir die letzten 1-2 Wochen für unseren Geschmack (zu) viel gefahren waren, hatten wir das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung, so dass wir an den Lake Tana, nach Gorgora, ins Kim & Tim-Village fuhren. Dies war die richtige Entscheidung: wunderschön am Tana-See gelegen ist dieses kleine Strohhütten-village, geführt von einem Holländer-Pärchen. Fünf Wochen alte Hunde, Katzen, Vögel, Ziegen und gegen Abend hunderte von Libellen tollten um uns herum und wir genossen die Zeit mit Waschen, Auto reparieren (vorderer Blinker fiel raus, afrikanisch mit Draht geflickt), Reisebericht schreiben, Fotos sortieren…auf unseren Morgen-Wanderungen in die nähere Umgebung konnten wir sogar Wildschweine beobachten! Leider war der See nicht geeignet zu baden: Billharziose (wie schreibt man das??)-Gefahr…zu schön wäre es gewesen, ins kühle Nass einzutauchen. Doch auch so war die Gegend wunderschön, so dass wir fünf Tage dort Ferien machten.

Nun waren wir aber bereit für weitere Taten: schon lange haben wir uns auf die Simien Mountains gefreut. In Gondar kauften wir Milchpulver, Riegel und weiterer Proviant ein und fuhren tags darauf auf einer ungeteerten Piste (es huere gholper, armes Dotschli!) nach Debark. Dort suchten wir das Nationalparkoffice und planten unseren Aufenthalt in den Simien-Mountains: Scout, Muli und Mulitreiber, Kerosenkocher, Karte, Zelt mussten gemietet werden, doch die ganze Organisation war nicht genau so, wie wir es uns gewohnt waren oder uns vorgestellt hatten. So konnte uns der arrogante Herr in Schale beispielsweise nicht erklären, weshalb wir für sieben Tage bezahlen mussten, wenn wir unsere Route doch nur für sechs Tage geplant hatten. Da die Kosten jedoch insgesamt nicht so hoch waren, gaben wir entnervt auf und bezahlten die sieben Tage für all die aufgezählten Komponenten. Der Scout konnte kein Wort englisch, was die anschliessende Material- und Essensorganisation auch nicht gerade erleichterte. Die Verkäufer des Kerosens auf dem Schwarzmarkt erklärten mir, dass ich für die 5 Tage mindestens 5 Liter Kerosen benötigen würde. Da ich weder den Kocher noch den Sprit kannte, kaufte ich die 5 Liter….dass wir aber nur ca. 1.5 Liter benötigten, wussten wir erst nach unserer Rückkehr.


Nach einer mehr oder weniger ruhigen Nacht fuhren wir dann mit dem Scout im Auto in den Park hinein, nach Sankabar. Als wir dort ankamen, erklärte uns eine ebenso arrogante Parkwächterin, dass wir nun zusätzlich noch einen Scout zum Bewachen unseres Autos mieten müssten (welcher wohl die ganzen sieben Tage neben unserem Auto sitzen würde). Wir protestierten und stellten das Auto ab, wohlwissend, dass die Diskussion nach unserer Rückkehr erneut aufflammen würde. Das Muli gepackt zogen wir los. Wie gut tat es, endlich unsere Beine zu gebrauchen und uns in der Natur ohne Fahrzeug fortzubewegen! Der Weg führte uns vorerst entlang einer Klippe mit atemberaubender Aussicht über eine weite Ebene mit wunderschönen Felsformationen. Nach einer Bachüberquerung marschierten wir bergauf Richtung „Geech“, unserem ersten Etappenziel. Unterwegs schleppte uns der Scout zu einer einheimischen Familie, wo wir mit selber angebautem, geröstetem, gemahlenem und gekochten Kaffe versorgt wurden. Spannend und ein bisschen unbehaglich zugleich (wie viel sollten wir nun der Familie dafür geben?) sassen wir in der vom Feuer-Rauch vollgequalmten Strohhütte und schauten gespannt zu, wie die Frau den Kaffee zubereitete. Die Uhr schien um drei Jahrhunderte zurückgedreht…Mit den 2 CHF als Gegenleistung lagen wir meilenweit über dem Üblichen, was wir aber erst Tage danach erfahren hatten. Im Camp angekommen, schlugen wir unser Zelt auf und kochten unser Nachtessen. Im Park-Office erklärte uns der Herr im Anzug, dass wir für den Scout kein Essen mitnehmen müssten – er versorge sich selber. Als der Scout jedoch weder Essen noch Wasser dabei hatte, teilten wir unser Essen mit ihm, auch wenn wir nicht gerechnet hatten und uns das gezielte Ausnützen des schlechten Gewissens der Touristen durch die Organisation gegen den Strich lief. Die Nacht war frostig und am nächsten Morgen, nach kaum ein paar Stunden wirklichen Schlafes, war unser Zelt tatsächlich mit Reif überzogen. Die Höhe bzw. fehlende Akklimatisation bereitete vor allem mir Kopfschmerzen (3600 m.ü.M.) Nach einem kurzen Frühstück zogen wir Richtung Inet Gogo los: Ein Gipfel mit toller Rundsicht über fast das ganze Nationalparkgebiet. Der Scout zeigte uns Flora und Fauna, so gut es unsere Verständigung überhaupt zuliess: Von Adler, Ehiopian Wolf (oder Red Fox genannt) über Gelaba Baboons (Affenart), Ibex (entspricht laienhaft ausgedrückt unserem heimischen Steinbock) und sonstigen kleineren Vogelarten hielt der Park wirklich, was auf der Rückseite der Karte aufgedruckt war. Die nächste Nacht im Camp war nicht viel besser, ein paar Stunden unruhigen Schlaf mit Kopfschmerzen mussten ausreichen. Dafür war der Moment umso schöner, als wir losmarschierten…Morgenstund hat Gold im Mund! Der Mount Buwahit (4430 m.ü.M.) wartete als nächstes Ziel. Die Höhe machte uns nicht mehr so zu schaffen, wir kamen gut voran und genossen schon bald die grossartige Aussicht über die umliegende Landschaft. Wir entschlossen uns nicht für die Normalroute sondern stiegen in ein kleines Dorf ab, wo wir die nächste Nacht verbringen wollten. Dass dies ein Fehler war, bemerkten wir, als der Scout im Dorf nicht wusste, wo wir nun nächtigen sollten. Er deutete auf eine Wiese direkt vor dem Dorf, wo wir, wohl ahnend, dass wir keine Minute unsere Ruhe haben würden, unser Zelt aufstellten.

Keine Sekunde später war die Schar bereits vor Platz: vom Zweijährigen bis zum 20-jährigen war wohl fast die ganze Dorf-Kinderschar versammelt und schaute uns zu. Die frecheren unter ihnen wagten sich, uns immer näher zu kommen und um Geld, Kleider oder Kugelschreiber anzubetteln. Da wir nicht einfach ohne Gegenleistung verteilen wollten, kauften wir im „Dorfladen“ völlig überteuerte Seife, Salz und einen weiteren Kaffee. Wir waren die Attraktion in Arkwasie…doch wohl dabei war es uns ganz und gar nicht. Wohl das erste Mal waren wir uns reuig, dass wir nicht das gleiche Programm gewählt hatten wie alle andern Touristen ;-). Dies war auch der Grund, weshalb wir unser Programm um einen Tag verkürzten und schon am nächsten Tag den Rückweg antraten. Der Weg führte uns weiter durch wunderschöne Landschaften, doch die Kinderschar, welche uns die ersten eineinhalb Stunden begleitete (bis zur Schule – unser Weg war „leider“ derselbe), war unangenehm und nervig. Am fünften und letzten Tag nahmen wir den Rückweg nach Sankaber unter die Füsse. Zurück beim Auto ging die Diskussion über den Parking-Scout von Neuem los…was unangenehmes Gefühl hinterliess. Doch Corinne und ich waren uns einig, dass die Einheimischen – auch wenn sie auf das Geld der Touristen angewiesen sind – nicht tun und lassen (sprich: Touristen verarschen) konnten, wie es ihnen beliebt. Wir versuchten zu feilschen und ich bezahlte ihnen eine angemessene Summe als Parkgebühr, doch die wollten sie nicht haben…auf Rückmeldung im Parkoffice in Debark erklärte uns der schicke Mann im Anzug, dass die Leute oben in Sankabar keine Parkgebühren hätten verlangen dürfen…Fazit der Simien-Mountains: das Trekking war grandios, die Organisation jedoch gewöhnungsbedürftig bis äusserst fraglich (katastrophal).

Die Dusche im Hotel genossen wir ebenso sehr wie das feine Znacht im Restaurant. Das Auswärts-Essen ist hier in Äthiopien beinahe preiswerter als einzukaufen und selber zu kochen: ein Znacht kostet zwischen 2-3 CHF.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Aksum im Nord-Osten des Landes: neun Stunden (!) teilweise üble Offroad-Piste, Dotschli und wir waren fix und fertig, als wir dort ankamen. Wir fuhren durch kleine Örtchen, wo wieder die Zeit stillzustehen schien, doch in ein paar Monaten / Jahren, wenn die Strasse geteert sein wird, dürfte sich das sehr schnell ändern. Riesige Baumaschinen arbeiteten am Strassenbau. Die Temperatur stieg wieder auf 35 – 45 Grad und wir waren heilfroh, dass Dotschli eine Klimaanlage hat, auch des Staubes wegen, der sonst durch die offenen Fenster eingedrungen wäre…In Aksum legten wir einen Tag Ruhepause ein, um unsere Wäsche zu waschen und Dotschli auf Vordermann zu bringen. Tags darauf fuhren wir auf direktem Weg nach Mekele, wo wir Fränzi, Gerry und die belgische Familie „7 à vivre“ wieder trafen, um zusammen einen Trip in die Danakil-Wüste zu unternehmen. Abends in Mekele besorgten wir Futter für uns alle sowie für eine nicht ganz bekannte Anzahl Guides / Führer für 4-5 Tage, welche uns begleiten würden. Dann gings am nächsten Morgen los: wieder offroad, aber noch nicht allzu schlechte Piste runter in die „Danakil-Depression“, dem tiefsten Punkt Afrikas (-116 m.u.M). Laut Führer sei dies das unwirtlichste und heisseste Gebiet der Erde, Touristen mit Herzproblemen sollten doch bitte dieses Gebiet nicht besuchen…. Das Klima und die Landschaft war von Beginn weg sehr abwechslungsreich: von 13 Grad und Nebel auf dem Pass bis dann heisse trockene Luft in der Ebene unten, verwundene Felsformationen, steil abfallende Flanken und hügelige Landschaft weiter unten. In einem Dorf mussten wir uns registrieren und zu unserem einen Guide, der uns schon seit Mekele begleitete, kamen weitere 2-3 (ich weiss es nicht mehr so genau, weil sie alle im Lastwagen der Belgier mitgefahren sind…) Guides oder Beschützer oder was auch immer dazu. Sie machten jedoch nicht den Eindruck, als wären sie im Ernstfall bereit und tauglich, um wirklich für Sicherheit zu sorgen, auch wenn ihre Magazine wirklich voller Munition waren. Nach etwa einer Stunde Diskussion in diesem Dorf durften wir endlich weiterfahren, die Hitze, das Geholper und die Müdigkeit nagten an unseren Nerven und wir waren dann froh, als wir endlich in einem nächsten kleineren Dorf unser Camp aufschlagen konnten. Spaghetti für alle, gekocht im Lastwagen, da es derart gewindet hat und ab die Post ins Dachzelt. Tags darauf stand der Vulkan Erta Ale auf dem Programm. Doch ob wir diesen überhaupt erreichen würden, war uns ein paar Mal nicht ganz klar. Zuerst streikte Gerry’s Landy, der Dieselfilter wollte gewechselt werden. Dann blieb der Lastwagen von Laurent mehrere Male im Sand / weichem Boden stecken, da es tags zuvor geregnet (!) hatte. Ich hätte auch nicht gedacht, dass wir mit unserem Bergematerial und unseren kleinen Fahrzeugen einen steckengebliebenen Lastwagen befreien können…

so suchten wir uns immer wieder neue Wege durch das unwegsame Gelände, bis wir schliesslich in ein nächstes Dorf kamen, wo wir zum Häuptling ins Zelt geleitet wurden. Dort versammelten sich an die zwanzig weitere Männer, alle bewaffnet, welche zuerst mal ein Schweizer Sackmesser verlangten, dann ein Wort nach dem andern, und als sie die Kinder der Belgier zu Gesicht bekamen, war das Eis dann vollends gebrochen und wir konnten – mit weiteren ca. 5 Guides – weiterfahren. Im Lastwagen waren also nun etwa 5, auf unserem Dach 2 und auf dem Dach von Fränzi und Gerry auch wiederum 2 Begleiter dabei. Die letzte Stunde führte uns im Schritt-Tempo über Lava-Gestein, der reinste Horror für die Reifen…wiederum todmüde von der langen Fahrerei setzten wir wieder die Feldküche in Gang, denn die vielen Guides wollten versorgt werden. Spaghetti zum Zweiten, für die Guides von Hand, versteht sich, aber es war ja schon dunkel. Um ein Uhr Nachts liessen wir uns wecken und traten den Marsch auf den Vulkan an. Dank Vollmond brauchten wir unsere Stirnlampen kaum, es war ein eindrücklicher Aufstieg zum Krater. Nach ca. 2.5 Stunden kamen wir oben an – für mich ein unvergesslicher Moment.


Im Krater brodelte und zischte es, die Lava glühte, floss von der einen Seite zur andern, es blubberte und manchmal entluden sich richtige Eruptionen paar (Centi-) Meter hoch. Der Guide erklärte uns, dass der Vulkan, welcher zu den aktivsten der Erde gehört, alle 3 Monate einen grossen Ausbruch habe und der Krater immer wieder neu forme. Bis nach der Dämmerung bewunderten wir dieses Naturschauspiel, bevor wir dann wieder den Abstieg antraten. Vergessen waren die mühsamen Momente im Auto, das Warten und das Geholper – die Nacht auf dem Ela Arte belohnte die Strapazen. Nach einem kurzen Frühstück gings wieder retour zum ersten Camp, wiederum etwa acht Stunden offroad auf staubigen Pisten durch die Savanne. Am nächsten Tag fuhren wir über einen Salzsee nach Dallol zu schwefel XXX , wo wir ein weiteres Naturwunder bestaunen konnten. Diese Farben und Formen in Worte zu beschreiben ist recht schwierig, daher schaut Euch einfach die Fotos an…Seit Jahrhunderten gewannen die Äthiopischen Nomaden von der Danakil-Wüste Salz. Noch heute wird diese Tradition weitergelebt: von Hand wir die Salzkruste aufgeschlagen, abgetrennt, die Salzplatten zurechtgeschnitten und per Esel oder Dromedar nach Mekele transportiert. Je weiter die Salzplatten transportiert werden, desto mehr steigert sich ihr Wert. Auch dies war eindrücklich, vor allem wenn man bedenkt, dass der Abbau und Transport heutzutage mit anderen Mitteln gemacht werden könnte. Danach traten wir den „Heimweg“ nach Mekele an. In den verschiedenen Dörfern wurden die Guides wieder abgeladen, nur noch einer begleitete uns bis Mekele zurück. Doch so einfach war die Rückreise dann doch nicht, es wäre ja zu einfach gewesen: da es wieder geregnet hatte, verwandelte sich die Piste in eine schmierige Rutschbahn, ca. 20 cm Schlamm war teilweise auf der Fahrbahn. Für uns Allradler weniger ein Problem, doch vier andere, teilweise „afrikanisch“ beladene Lastwagen ohne Allradantrieb standen an einem steilen Stück derart verkeilt in einander, dass wir nicht passieren konnten. Ein Lastwagen konnte keinen Luftdruck aufbauen um die Bremsen zu lösen, weil eine Leitung kaputt war. Zwei weitere Lastwagen rutschten in dem Matsch ineinander und ein weiterer Laster, welcher versucht hatte, diese andern zu umfahren (es waren ja noch ein paar cm frei), steckte auch fest. Nun hatten wir die Wahl, dort an diesem steilen, matschigen Strassenstück zu übernachten oder zu versuchen, die Laster freizubekommen, so dass wir passieren konnten. Wir entschieden uns für Letzteres…Nach der Reparatur der Luftleitung gelang es uns dann schliesslich nach etwa 4 Stunden, einen Weg für uns freizubekommen. Doch die andern Führer, welche ihre Laster immer noch nicht frei hatten, wollten uns nicht passieren lassen, bis wir sie auch aus dem Schlamm gezogen hatten…..da dies aber nicht so einfach war, versuchten wir dann so rasch als möglich wegzukommen – doch wo war unser Guide? So waren die letzten Sekunden dort an diesem steilen Strassenstück recht hektisch, wir hatten wirklich Angst, dass uns die andern Lastwagenführer unsere Autos kaputtschlagen würden…doch wir hatten Glück, der Guide rannte uns nach so schnell er konnte, die andern zwar auch (waren glücklicherweise weniger schnell…), so dass wir heil davonkamen und den Rest der Strecke ohne Probleme schafften. Um zwei Uhr Morgens kamen wir dann in Mekele an. Leider las ich vom Znacht im Hotel eine weitere Magenverstimmung auf, welche mich mit Erbrechen und Durchfall flach legte. So konnte ich auch am Dinner, zu welchem wir vom Tour-Organisator eingeladen waren, nicht teilnehmen. Die zwei weiteren Tage verbrachten wir mit Waschen, Service am Auto und wieder Bereitmachen für die weitere Reise. Dieser Trip in die Danakil-Wüste war anstrengend, aber ein unvergessliches Erlebnis.

Als nächstes Ziel stand Lalibela auf dem Programm. Die aus dem Felsen gemeisselten Kirchen gelten als Highlight Äthiopiens – ein „must-see“. Die Strasse führte uns von Mekele durch wunderschöne Landschaften, welche durch schönstes Wetter und eine grandiose Sicht auf ein Nebelmeer noch märchenhafter erschienen. Wie gerne wären wir ein paar Mal ausgestiegen und zu Fuss weitergewandert, doch wir kamen mit dem ewigen „Umringt-sein“ gepaart mit „you you you, give me money, give me pen, give me….“ nicht so locker klar, als dass wir es gemacht hätten. Schade, denn die Landschaft war wirklich atemberaubend. Die Strasse schlängelte sich auf ein 3600 m.ü.M hohes Plateau, bevor wir dann wieder auf einer Piste Lalibela ansteuerten und müde nach 8 Stunden non-stop ankamen. Zu unserer Freude trafen wir dort ein spanisches Pärchen wieder, welche wir in Debark / Simien Mountains kennengelernt hatten – es wurde ein lustiger Abend. Tags darauf kauften wir uns Tickets zur Besichtigung der Kirchen von Lalibela. Diese wurden im 12. Jahrhundert aus dem Fels gemeisselt, eine wahrlich beeindruckende Arbeit! Ein Tag Kultur war dann doch genug, so dass wir tags darauf mit Raymond und Leda (unseren spanischen Freunden) einen Guide engagierten und eine wunderschöne Wanderung in die umliegenden Berge unternahmen. Spontan entschieden sich Ray und Leda, den Rückweg nach Addis Abeba mit uns unter die Räder zu nehmen, so dass wir zwei weitere Tage gemeinsam unterwegs waren. Schade, dass sie in einer Woche nach Hause fliegen müssen, wir hatten es sehr gut zusammen…

Nun sind wir in Addis Abeba und bereiten uns mental auf weitere Botschatsbesuche vor – das kenianische Visum muss besorgt werden und der schweizerischen Botschaft müssen wir auch einen Besuch abstatten. So, soviel zum Norden Äthiopiens: wunderschöne Landschaften, aber die Leute (vor allem die Kinder) sind derart nervig, dass wir das Land nur beschränkt geniessen können.

Samstag, 8. Januar 2011

Sudan: 21.12.10 – 03.01.11

Die mentale Vorbereitung aus dem letzten Reisebericht hat nicht viel geholfen. Es kam anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Doch das ist ja eigentlich nichts Neues. Das ägyptische Ausreiseprozedere begann bereits in Assuan-City, wo wir – eigentlich auch dies nichts Unbekanntes – Papiere stempeln liessen, Gebühren bezahlten und vor allem eines: warteten. Aber dass dies gerade einen GANZEN Tag in Anspruch nehmen würde, hätten wir auch nicht gedacht. Am nächsten Morgen wurden wir (das heisst alle Europäer mit Fahrzeugen, rund 10 Fahrzeuge) von der Polizei zum Hafen von Assuan gebracht, wo wir weitere Stempel, Briefmarken und sonstige Papier erhielten (bzw. kauften) und auch das Carnet abstempeln liessen. Die Frauen machten sich derweil auf den Weg, sich auf der Fähre einen Platz auf Deck zu ergattern, denn solcher war unter den Passagieren heiss begehrt:
Unglaublich, was sich da abspielte: Mit unseren Rucksäcken bewaffnet stürmten wir durch die Menschenmenge Richtung Boot- immer mit den Ellbogen voran. Da es nur ein winziger Eingang gab und dieser dauernd verstopft war, kamen wir gehörig ins Schwitzen. Endlich im Boot angekommen, suchten wir sofort das Deck, nur leider war die Tür verschlossen. Okey, runter und den nächsten Ausgang Richtung Deck suchen. War auch nichts. So fragten wir die verschiedensten Leute nach dem Weg- immer noch mit den Ellbogen voran- und kämpften uns durch die verschiedensten Etagen- ohne Erfolg. Langsam wurde ich ungeduldig und verlangte lauthals, dass jetzt sofort jemand die Türe zum Deck öffnet. Dank Mr Salah klappte dies beim 3.Versuch und natürlich waren 2/3 des Decks bereits mit Teppichen und Taschen belegt. Zum Glück fanden wir neben der Kapitänskoje noch Platz für gerade 4 Personen und wir 2 Frauen verbarrikadierten sofort alles. Dies war auch nötig, denn 1 Stunde später war jeder cm besetzt und ich musste (bis die Männer kamen) unseren Platz heftig verteidigen.

Als ich Dotschli – welches zusammen mit den andern Fahrzeugen nicht auf der Passagier-Fähre mitkam sondern auf einem Ponton separat und natürlich langsamer als wir – auf das Ponton gebracht habe, bahnte ich mir auch einen Weg auf das Deck und war froh, oben angekommen zu sein. In den unteren Decks sassen, lagen oder standen hunderte von Passagieren in den Gängen, auf dem Boden, einfach überall. Dass die Hygiene der Menschen manchmal nicht derjenigen unserer Breitengraden entspricht, muss ich an dieser Stelle wohl kaum erwähnen, und die Hitze und das Gedränge lieferten das Ihre bei, um dazu zu führen, dass ein Aufenthalt dort unten für uns kaum aushaltbar war. Corinne und Fränzi hatten jedoch Glück und konnten ein super Plätzchen für uns vier besetzen und erfolgreich verteidigen. Die Nacht war dennoch kurz…

Am nächsten Mittag trafen wir in Wadi Halfa ein. Dotschli und Pumba würden erst einen Tag später dort ankommen, so dass wir uns vom Hafen Richtung Dorfkern aufmachten. Das Einreiseprozedere begann damit, dass wir uns registrieren lassen mussten. Und wieder dasselbe: Schalter hier, Formular da, Fotokopie machen lassen, Foto aufkleben hier, Gebühren bezahlen (knapp 40 CHF pro Person!), Marken aufkleben etc. Die Stunden vergingen….Zusammen mit Roger und Marina (junges Pärchen vom Belpberg) und Neil und Sylvie (junges Pärchen aus Südafrika) sowie Martin (Deutscher) quartierten wir uns in einem Hotel im Innenhof ein und verbrachten einen geselligen Abend in einem kleinen sympathischen Restaurant. Tags darauf holten wir uns die notwendige Foto-Erlaubnis ein. Ja, Ihr habt richtig gelesen. Für ca. 6 CHF muss sich jeder Tourist im Sudan eine Erlaubnis kaufen, damit er fotografieren darf. Natürlich wieder mit Formular, Foto und Geduld. Gegen Mittag kam dann der Ponton mit den Fahrzeugen an – welch Erleichterung: die Autos waren unversehrt und so, wie wir die Fahrzeuge verladen hatten. Zuerst versuchten wir, die Einreise der Fahrzeuge ohne Hilfe von Schleppern zu erledigen. Doch die Bürokratie und der Filz war zu stark, so dass wir nach ca. 2 Stunden aufgaben und für 40 US-Dollar einen Schlepper beizogen, damit wir am gleichen Tag noch wegkamen. Wir hatten uns mit Roger, Marina, Neil und Sylvie zusammengeschlossen und fuhren noch ca. 5 km in die Wüste, um unser Nachtlager aufzuschlagen. Wie froh waren wir, wieder in unseren Betten zu schlafen und nicht vom Muezzin geweckt zu werden!

Nach einem üppigen Frühstück fuhren wir dem Nil entlang Richtung Dongola. Pause mit kurzem Bad im Nil – nein, kein Krokodil hat uns gefressen – und erster Kontakt mit einheimischer Bevölkerung, nubischen Sudanesen. Zurückhaltend, freundlich und überaus angenehm im Vergleich zu den meist aufdringlichen Ägyptern…Den 24. Dezember verbrachten wir nicht zu acht, nein, sondern – hm…wie viele waren es nun genau? – zusammen mit einer Familie aus Paris (zu fünft in einem Lastwagen für 3 Jahre unterwegs: www.chamaco.fr) und einer Familie aus Belgien (zu siebt in einem Lastwagen für 1 Jahr unterwegs: www.septavivre.be). In einem kleinen Dorf kauften wir mehrere Güggeli, Gemüse und Brot ein und bauten uns dann an unserem Rastplatz in der Wüste aus Steinen einen Ofen, in welchem frisches Brot, Chicken, Schokoladenkuchen und Kartoffeln zubereitet wurden. Alle haben ein bisschen am Weihnachtsmahl beigetragen. Muli-Kulti an einem riesigen Weihnachtstisch! Am 25. Dezember genossen wir wieder einmal einen Tag frei: Reisebericht schreiben, am Auto basteln, Nähen, Plaudern, Musik und Fotos austauschen, putzen…das tat gut!

Weiter gings dem Nil entlang auf einer Strasse, welche wohl erst vor kurzem geteert wurde. Die Dörfer in dieser Gegend waren noch ursprünglich, alle aus Lehm gebaut. In Dongola trennten wir uns von Fränzi, Gerry und den zwei andern Pärchen. Wir schlugen den direkten Weg Richtung Khartoum ein und wollen den recht langen Umweg nicht fahren, um weitere Pyramiden zu sehen. Der Weg führte uns vorerst weiter am Nil entlang Richtung Süden – Landwirtschaft zur Selbstversorgung mit primitivsten Mitteln: alte Dieselgeneratoren pumpen Wasser aus dem Nil auf die Felder, welche alle von Hand besorgt werden. Mais, Zuckerrohr, Hirse und uns unbekannte Pflanzen werden angebaut. Überaus freundliche und zurückhaltende Bauern zeigten uns voller Stolz ihre Felder und Wasserkanäle zur Bewässerung.

In Abu Dom zweigten wir direkt Richtung Khartoum ab, wiederum hinein in ein grosses Wüstengebiet. Nach einer ruhigen Nacht bestiegen wir einen kleinen Berg mitten in der Einöde – grandiose Aussicht und – fast wie zu Hause im Schnee nur diesmal mit Sand-Wächten, gemischtem Gelände am Gipfel und spassigem Abstieg im weichen Sand. Ein weiterer Tag im Auto, am Abend waschen und Auto versuchen zu reparieren: Obwohl der Schalter auf den hinteren Zusatz-Tank gestellt war, nahm der Motor vom vorderen Haupt-Tank…also wechselte ich erst mal den hinteren Dieselfilter und der sah wirklich recht schlimm aus. Dass ich und die Militärplane danach mit Diesel getränkt waren, wäre nicht nötig gewesen…Doch leider war damit das Problem nicht gelöst – der hintere Tank wurde nicht mehr „angesteuert“. Am Abend dann “ mmmh“, feine Berner Rösti aus dem Beutel und Zucchetti zum Znacht ;-).

Am nächsten Tag kam endlich Khartoum in Sicht. Zuerst versuchten wir, bei der offiziellen Toyota-Garage einen Ersatz-Dieselfilter zu kaufen. Leider vergeblich,da dies kein Original-Toyota-Filter war (der Zusatztank ist nicht Original, sondern ein Zubehör, das nachträglich eingebaut wurde). Weitere 3 Stunden Suche im Schrauberviertel von Khartoum brachten leider nicht den gewünschten Erfolg. Glücklicherweise trafen wir einen reichen Sudanesen (in Deutschland studiert, Inhaber einer Wasserfirma), der uns weiterhalf und uns einen ähnlichen Filter und einen Dieselkanister besorgte (zum Umfüllen, wenn wir das Ventil nicht flicken können). Partout wollte dieser weder Geld noch sonstwas dafür haben! Sudanesische Gastfreundschaft einmal mehr. Auf dem Campingplatz in Khartoum trafen wir die andern drei Pärchen wieder und wir machten uns auf, die Vorräte wieder zu füllen. Im modernen Einkaufszentrum bekamen wir fast alles, was wir in der Migros auch kaufen könnten. Die Preise waren jedoch happig (fast Schweizer Niveau) und das Einkaufszentrum dementsprechend nur von der khartoumer Oberschicht besucht, sprich: fast leer.

Nun wollten wir den Dinder Nationalpark im Süden Sudans besuchen. Aus Reiseberichten las Neil, dass die Ticktes dafür in Dinder selber gekauft werden müssten. Ein weiterer Tag im Auto über Wad Madani, Sennar und Singa, bis wir dort eintrafen. Im Büro des Oberguru nahm dieser selber erst einmal unsere Personalien auf und nannte uns den Preis des Nationalparks: 100 US-Dollar pro Person pro Tag. War das nun ein Witz oder nicht? Leider nein. Wir protestierten, worauf dieser ausrichten liess, dass wir den Park gar nicht mehr besuchen dürften. Als wir ihm dann erklärten, dass wir alle Internet-Homepages hätten und schreiben würden, dass dies eine Abzocke sondergleichen sei und dann niemand mehr in den Park kommen würde, erhielten wir plötzlich die Genehmigung. Der Preis würde dann am Eingang des Parks festgelegt werden, er habe darauf keinen Einfluss. Wir bekamen einen bewaffneten Guide mit und fuhren ca. 150 km offroad (= 6 Stunden!) zum Parkeingang. Und dies an Silvester! Die Autos wurden arg strapaziert, es schüttelte und schlug andauernd, die „Strasse“ bzw. der Track war mieserabel. Müde kamen wir gegen 18 Uhr am Parkeingang an, wo wir wieder registriert wurden und – welch Wunder – der Preis noch nicht festgelegt werden konnte. Wir müssten dafür ins Camp im Park fahren, weitere 28 km, hiess es. OK, machen wir doch. Eine weitere Stunde nun durch den Park, leider schon im Eindunkeln. Die Vegetation änderte und wir sahen sogar Affen (OK, ich leider nicht, da ich meine Augen auf dem Weg hatte…), diverse Vogelarten und sowas wie Antilopen. Der Weg wurde immer enger, die Büsche und Bäume kratzten an unseren Autos, ein übles Geräusch…Beim Camp angekommen erklärten uns die Verantwortlichen dort, dass wir 100 US-Dollar pro Person pro Tag zu bezahlen hätten….nach unserem Protest hiess es dann, dass es noch 50 Dollar seien und so ging es hin und her, bis wir für 50 Dollar für uns alle eine Nacht dort verbringen hätten dürfen. Auch das war noch zuviel – wir sahen aufgrund der Dunkelheit nichts und hätten den Park am Morgen schon wieder verlassen müssen. Als dann auch die Toilette kosten sollte, platzte Neil der Kragen und wir packten unsere sieben Sachen und erklärten, dass wir den Park jetzt noch verlassen würden. Dies versuchten sie zu verhindern, da in der Nacht nicht gefahren werden dürfe und wir ja schon im Park seien und nun bezahlen müssten. Doch nach alledem war uns das ziemlich egal und wir fuhren los. Der Guide – welcher die ganze Zeit zwischen den Fronten zu vermitteln versuchte – war verzweifelt, doch wahrscheinlich wusste er wohl schon zu Beginn des „Spielchens“, wie dieses ablaufen würde. Also fuhren wir weitere 2 Stunden durch den Busch – den Jahreswechsel verbrachten wir also im Auto, immerhin konnten wir uns kurz per Lichthupe gratulieren…So, genug Nationalpark, genug Sudan, jetzt wollten wir Richtung Äthiopien. Doch dies war gar nicht so einfach, weil wir wirklich im sudanesischen Busch waren und ohne „richtige“ Karte (auf unserer waren kaum Tracks eingezeichnet), ohne Tracks im GPS die Orientierung gar nicht so einfach war. Also fuhren wir mit Hilfe des Kompasses in die ungefähre Richtung, in welcher wir die Hauptstrasse nach Äthiopien vermuteten. Die Wege führten leider mehr als einmal in eine Sackgasse, einen Sumpf oder verliefen sich im Nichts…

Dafür sahen wir Orte, welche noch richtig ursprünglich waren, die Leute dort wohl noch nie einen Tourist oder eine weisse Person gesehen hatten. Es war wirklich spannend und abwechslungsreich…Auch eine schöne Offroad-Einlage sorgte für Spannung. Die Temperaturen kletterten auf ca. 40 Grad und wir waren das erste Mal richtig froh, dass Dotschli eine Klimaanlage hat.

In Gedaref füllten wir Wasser, Diesel und Vorräte auf und fuhren Richtung Grenze. Die Ausreise aus dem Sudan war rasch erledigt, ein Kinderspiel im Vergleich zur Einreise in Wadi Halfa.


Fazit Sudan:

Landschaftlich bietet der Sudan als Reiseland ausser der langen Nil-Oase und den verschiedenen Wüstengebieten nicht wahnsinnig viel. Die Leute hingegen begegneten uns im Vergleich zu den Einwohnern Ägyptens sehr unaufdringlich, freundlich, zurückhaltend und hilfsbereit. Wir wurden kein einziges Mal um Geld oder sonstige Dinge gebeten. Da wir viel selber gekocht hatten, können wir über das sudaneische Essen nicht viel sagen. Die Gemüsestände waren jedoch reichhaltig und das Fladenbrot war wiederum überall zu erhalten. Ausser die Episode im Dinder-Nationalpark sowie der Einreise in Wadi Halfa erlebten wir den Sudan als positiv, insbesondere deshalb, weil wir so viel und vorallem ungestört in der Wildnis campen konnten.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Ägypten 23.11.10 - 20.12.10

Boeh, nur ein Schalter und nur 5 Minuten für eine Grenze zu passieren? Denkste: als wir dem Schiffsoffizier der Schnellfähre von Aqaba (Jordanien) nach Nuweiba (Ägypten) die Pässe unter die Nase hielten, blätterte er die Pässe sieben Mal von hinten nach vorne und wieder umgekehrt und sagte dann auf gebrochen englisch: no stamp, no stamp, no stamp, back to office to stamp! Das Auto war schon im Bug des Schiffes verstaut, also musste extra ein Car herbeigerufen werden, der uns zurück ins Terminal gefahren hat, um dort den Ausreisestempel in den Pass zu erhalten. Und nein, die Fähre hat nicht extra warten müssen auf uns. Die Überfahrt war unspektakulär. Auffallend war jedoch, dass die arabischen Passagiere von den Touristen getrennt wurden. Die Araber hatten lediglich enge Flugzeugbestuhlung zur Verfügung, die Touristen hingegen die uns bekannte lounge-ähnliche First-class-Bestuhlung. Im Dutyfreeshop gabs von der Domteuse bis hin zum Reiskocher und die gesamte Palette der europäischen und arabischen Zigarettenmarken.

Im Reiseführer beschrieben und von andern Overlandern berichtet sei die Einreise nach Ägypten mehr als kompliziert und alleine kaum zu schaffen. Von bis zu 6 Stunden war die Rede, ohne Schlepper kaum möglich. Mit mulmigem Gefühl fuhren wir aus dem Bauch der Fähre und wurden – wir waren die einzigen Europäer mit eigenem Fahrzeug – gerade von einem First- Officer – Tourist- Police-Man in Empfang genommen. Dieser entpuppte sich im Laufe der Abfertigung jedoch als sehr hilfsbereit und vor allem: er konnte englisch. Die meisten an der Einreise beteiligten Beamten waren dieser Sprache nicht kundig und die unzähligen Formulare, welche ausgefüllt werden mussten waren natürlich auch NUR auf arabisch. No way ohne fremde Hilfe. Aber mit unserem Private-Sheriff gings recht flott: Formular hier, Formular da, Stempel hier, Stempel da (Gebühr für die Tatsache, dass wir ein 4x4 Fahrzeug haben, Versicherung, und den Rest der Gebühren habe ich gar nicht erst verstanden aber dennoch bezahlt…). Zwei Stunden später und ca. 200 CHF leichter haben wir das Hafengelände schon wieder verlassen können. Der Sheriff wollte nicht einmal Bakshish! Also nichts von 6 Stunden, nichts von nervig…vielleicht hatten wir auch nur Glück, weil wir unseren Sheriff für uns hatten. Frohen Mutes verliessen in der stockdunklen Nacht das Hafengelände und – welch Wohltat – das GPS funktionierte wieder mit den Karten von Tracks4Africa – schnurstracks zu einem Italiener, der nördlich von Nuweiba ein Camp führte.
Diese Oase war genau das Richtige: wie im Prospekt, nicht übertrieben. Dass dieser uns am ersten Abend natürlich das teuerste Abendessen angedreht hatte (ich dachte, der Preis sei für 4 Personen….leider haben wir uns nicht VORHER vergewissert, dass der Preis halt nicht für alle, sondern nur für eine Person war…), haben wir schon fast vergessen, weil es dort wirklich flauschig war und oben drein noch gratis WLAN hatte, so dass wir am Strand surfen konnten. Zudem konnten wir endlich unsere Taucherbrillen auspacken und die doch schon schöne Unterwasserwelt beim Hausriff bestaunen.

So liessen wir es uns gut gehen und eine Woche war schnell um. Hungrig nach neuen Taten machten wir uns auf den Weg nach Dahab, wo wir bei einer schweizer Freundin, Anne, (wohnhaft schon 4 Jahre in Dahab, Dive-Instructorin), untergekommen sind. Dahab war vom Tourismus schon recht geprägt: die schleimigen Provisions-schlepper rissen sich förmlich um die Touristen, um sie möglichst rasch in die Restaurants an der Promenade zu ziehen. Mit Anne als Guide verbrachten wir die nächsten paar Tage meist unter Wasser: Korallenriffe, Muränen, Tintenfische und weiss der Gugger noch was sich da alles im Wasser tümmelt: wir haben vieles gesehen und wieder einmal das Gefühl der scheinbaren Schwerelosigkeit unter Wasser genossen. Die Stille, nur das Geräusch des eigenen Atems sowie die manchmal skurrile Unterwasserwelt war faszinierend. Anne brachte uns das Leben in Dahab näher – Nachtessen nicht im Touri-Strip sondern in der „Assala“, wo die einheimischen Ägypter und Beduinen wohnen und leben: dreimal so spannend und halb so teuer wie an der Touri-Meile. Zum Nachtessen gesellten sich jeweils bis zu zwölf Katzen oder Hunde, welche um Nahrung bettelten…Als es darum ging, die Weiterreise(wir hatten nur Visum und Autoversicherung für 1Monat und wollten verlängern) zu planen, war uns – inshallah – der Chef von Anne, „Chaled“ behilflich: die Autoversicherung könnten wir in Nuweiba verlängern und das Visum dann in Kairo. Wir müssten jedoch darauf achten, dass wir in Nuweiba klar machten, dass wir in Assuan ausreisten und die Papiere in der Zwischenzeit von Nuweiba nach Assuan geschickt werden könnten – sonst müssten wir dann in Assuan warten. Dankbar für diese Hinweise machten wir uns – nach Abschied von Anne – erneut auf nach Nuweiba und quartierten uns wiederum beim Italiener ein. Auf dem Weg dorthin machte sich bei unserem Dotschli ein beunruhigendes Geräusch bemerkbar: der Motor dröhnte nicht wie ein 6 – sondern wie ein 8 Zylinder – ich tippte auf ein Loch im Auspuff. Also angehalten und unter das Auto gekrochen. Dass nun ausgerechnet genau neben mir unter dem Auto ein anderes Auto gehupt hatte, brachte mich derart aus dem Konzept, dass ich hochschnellte und mir eine halbe Gehirnerschütterung holte. Zum Glück hat er meinen Fluch nicht verstanden…Leider war es nicht ein Loch im Auspuff. Da ich keine Mechaniker-Ausbildung genossen habe, warf ich am Abend den PC an und stellte Fragen und Bilder des entsprechenden Teiles ins Buschtaxi-Forum und mailte sie einem guten Kollegen in der Schweiz. Unglaublich- innert einer halben Stunde war klar, dass nur eine Platte aus der Abgasrückführung herausgefallen war und diese mit einer zerstampften Cola-Dose wieder hätte ersetzt werden können. Die unkomplizierte Hilfe der Mitglieder des Buschtaxi-Forums war gigantisch…Am nächsten Morgen schnitten Gerry und ich ein Alu-Teil zurecht und flickten mit selbstverschweissendem Klebeband und diesem Alu-Teil das Loch zu. Bis heute hat es gehalten…Danach fuhren wir zu der Tourist-Police im Hafen von Nuweiba, um uns schlau zu machen wegen der Papiere, welche von Nuweiba nach Assuan geschickt werden müssten (gemäss Informationen von Chaled). Auch wollten wir die Autoversicherung verlängern, wie es uns Chaled erzählt hat. Die Beamten der Tourist Police wollten jedoch von so etwas nix wissen – no Paper to Assuan – no problem, go, go. Und die Autoversicherung könnten wir erst machen, wenn wir unser Visum verlängert hätten. Information hier – andere Information da – welcome to Egypt. Erneut Kriegsrat gehalten: nix verlängern, möglichst schnell nach Kairo die Visa holen und ab nach Assuan – wir bleiben nur einen Monat in Ägypten. Kairo, wir kommen…. Doch vorerst nochmals Boxenstopp an der Tankstelle. Für sage und schreibe 18 Rappen pro Liter Diesel füllten wir unsere Tanks…so macht tanken Spass!

Die Küste nordwärts Richtung Israel war atemberaubend schön. Verlassene Camps, türkisblaues Meer und der Blick über den Golf von Aqaba Richtung Saudi Arabien. Durch eine enge Schlucht gings dann nordwärts auf das Plateau des Sinai und von dort ca. 250 km zum Suez-Kanal. Für 2 Pounds (ca. 50 Rappen) gings unten durch und von da wieder ca. 150 km nach Kairo. Bereits in den kilometerlangen Vororten liess mir der Verkehr das Adrenalin und den Puls in ungeahnte Höhen steigen. Unglaublich, wie hier gefahren wird. Wenn die Autobahn 4 Spuren hat, fahren MINDESTENS 6-7 Autos nebeneinander, hupend, drängelnd und ohne jede Rücksicht auf Blechschäden. Der Frechere hat gewonnen…ich konnte mich relativ gut einordnen, eine Hand dauernd auf der Hupe(zur Verärgerung der Beifahrerin), die andere zwischen Schalthebel und Lichthupe…und wer schon mal in Kairo mit einem eigenen Auto unterwegs war, weiss, was ich meine. Zum Glück ist Dotschli im vergleich zu den durchschnittlichen Autos hier recht gross und bullig – das verschafft doch einigen Fahrern hier einen minimalen Respekt. Dank GPS haben wir den Camping schnell gefunden und uns dort einquartiert. Welch Zufall: ein junges Pärchen vom Belpberg ist ebenfalls auf dem Weg nach Kapstadt und hat auch die Fähre von Assuan (Ägypten) nach Wadi Halfa (Sudan) am 20.12.10 gebucht. Sie sind mit einem süd-afrikanischen Pärchen unterwegs.

Tags darauf machten wir uns per Taxi in die Innenstadt zur sudanesichen Botschaft, um das entsprechende Visum zu beantragen. Dort erklärte uns der unhöfliche Beamte, dass wir zuerst ein Empfehlungsschreiben der schweizerischen Botschaft einholen müssten. Also zur schweizerischen Botschaft…doch niemand wusste, wo diese war, weder Adresse noch sonstige Hinweise aus der Bevölkerung waren vorhanden. Die Auskunft der Beamten der kanadischen Botschaft (um die Ecke) war jedoch fehlerhaft, so dass wir dem Taxifahrer eine falsche Adresse (nämlich diejenige der schwedischen Botschaft) in die Hand gedrückt haben. Von der schwedischen Botschaft gings dann doch noch zur schweizerischen Botschaft, wo wir das läppische Schreiben für CHF 40.— „erhalten“ haben. Wiederum zur sudanesischen Botschaft (alles per Taxi, versteht sich) und dort für USD 100 pro Person das Visum beantragt. Danach genossen wir die Aussicht vom Cairo-Tower aus über die gigantische Stadt (ca. 22 Mio Einwohner). Die Bausubstanz der Häuser ist derart, dass wir den Eindruck hatten, dass die Häuser jeden Moment zusammenbrechen würden. Die meisten Häuser sind zudem nicht fertig gestellt – halbe Ruinen und doch nicht fertig gebaut. In Verbindung mit dem immensen Abfall-Problem machte der Stadtteil rund um den Camping einen recht erbärmlichen Eindruck.

Highlight Einreise Äthiopien: In den einschlägigen Internetforen konnte ich lesen, dass zusätzlich zum Carnet de Passage (entspricht dem Zolldokument des Fahrzeuges) ein Bestätigungsschreiben der schweizerischen Botschaft in Addis Abeba benötigt würde, das bestätige, dass man mit dem Auto nicht nur einreise, sondern dieses auch wieder aus Äthiopien ausführe. So weit so gut. Doch stimmt diese Information denn auch wirklich? Als wir auf der äthiopischen Botschaft in Kairo das Visum erhalten haben, fragten wir nach einem solchen ausdrücklichen Bestätigungsschreiben für das Fahrzeug nach. „No problem, no problem“, kein Schreiben nix sei nötig. Doch dieser Aussage – notabene von der äthiopischen Botschaft – trauten wir nicht. Also eine Email an den schweizerischen Botschafter in Addis Abeba. Dieser bestätigte dann, dass ein solches Schreiben wirklich verlangt würde an der Grenze. Er könne uns dieses ausstellen, per Email zusenden, aber die Gebühren dafür (wiederum CHF 40.—) müssten wir dann persönlich bei ihm vorbeibringen und könne nicht per E-Banking überwiesen werden. Also gut – dann statten wir dem Herrn Botschafter Ammann in Addis Abeba persönlich einen Besuch ab und bezahlen diese Gebühren im Reglement 1.1224-admin.

Als wir die beiden Visa im Sack hatten, füllten wir die Diesel Tanks und ab die Post aus dieser Stadt hinaus. Durch wüstenähnliche Landschaft gegen Süden machten wir uns in Richtung Wadi el Hitan. Dort sollten Überbleibsel (=Skelette) von Walen gefunden worden sein. Die Landschaft war grandios und wir fanden einen super Übernachtungsplatz – doch wir rechneten nicht mit dem Wind, welcher uns eine fast schlaflose Nacht im Dachzelt bescherte. Am nächsten Morgen erkundeten wir auf einem gut angelegten Pfad diese Skelette, welche erstaunlich gut erhalten waren. Nach diesem Spaziergang war wiedermal Off-Road angesagt: quer durch die Wüste (naja, nicht ganz, wir folgten Spuren und einen Wegweiser hatte es auch am Anfang ;-) holperten wir fast zwei Stunden durch spektakuläre Landschaften. Ein paar nette Offroad-Einlagen, bei welchen wir nebst Allradantrieb die Untersetzung und Differentialsperren einlegen mussten, waren doch recht eindrücklich.

Wieder auf der Hauptstrasse frassen wir die restlichen Kilometer zur Oase Baharia. Das Wetter spielte Kapriolen und tauchte uns in einen wüsten Sandsturm, so dass wir einen Tag in Baharia Pause einlegten. Der Versuch, das Fahrzeug das erste Mal abzuschmieren, misslang, was meinem Ego natürlich nicht sonderlich förderlich war. Doch selber schuld – ich habe die Fettpresse zu Hause noch nicht getestet und musste feststellen, dass diese nicht ganz funktionstüchtig war und ich damit nicht an die Schmiernippel rankam. Tja, man kann nicht immer gewinnen…Tags darauf war das Wetter immer noch nicht gut, aber wir wollten nicht weiter Zeit verlieren, denn wir mussten am 18. Dezember in Assuan bei Mr. Salah antraben, um die Reservation der Fähre nach Wadi Halfa nicht zu verlieren. Also machten wir uns im Sandsturm auf den Weg. Teilweise kaum 10 m Sicht war doch ein Erlebnis…leider hatten Corinne und ich zum ersten Mal mit Durchfall zu kämpfen. Ich erspare der Leserschaft nun die nähere Beschreibung der körperlichen Ausscheidungen und deren Gerüche während dieser ca. 3 Tage andauernden Episode.

Unser nächstes Ziel war der White Desert National Park. Dank dem schlechten Wetter war weit und breit niemand zu sehen, der auf uns gewartet hätte, um den angekündigten Eintritt zu kassieren. So hatten wir die Wüste für uns allein – wer fährt schon in die Wüste raus bei diesem Wetter…Die Nacht war noch unruhig, aber der nächste Morgen dafür umso schöner. Wind und Wetter formten während den letzten Jahrtausenden wunderschöne Formationen aus dem Gestein.

Weiter gings Richtung Süden, wo wir in der nächsten Oase namens Farafra bei einer Hot Spring ein warmes Bad genossen. Auch Dotschli machte wiedermal auf sich aufmerksam: das Umschaltventil zwischen den beiden Diesel-Tanks machte mir ein bisschen Kummer: auch wenn ich auf den hintern Tank gestellt hatte, zeigte die Tankuhr des vorderen Tanks immer weniger an…dazu kam am nächsten Morgen der Umstand, dass bei der hinteren Tankstellung plötzlich nur noch weisser Rauch aus dem Auspuff entwich und der Motor immer wieder abstarb. Weiss Allah weshalb, verrichtet Dotschli bzw. dieses Umschaltventil seit dieser Übung seinen Dienst wieder einwandfrei – wer weiss, was ich da getankt habe das letzte Mal…denn repariert habe ich NICHTS. Drückt mir die Daumen…

Kultur ist schön – Luxor stand auf dem Programm. Wirklich eindrücklich war das Tal der Könige mit den verschiedenen Gräbern, auch der Karnak-Tempel war sehenswert. Doch wie der Massentourismus eine Stadt derart (aus unserer Sicht negativ) verändert, hätten wir nicht geglaubt. Abzocke wo das Auge reicht: zwischen Eingangs-Gate bei den Gräbern wurde ein (Touri-Bus-) Shuttle eingerichtet, natürlich nicht gratis. Dass dieser nur ca. 300 m lang war und nur um die nächste Kurve reichte, wurde dem brav zahlenden Touristen natürlich nicht gesagt. Zum Glück stands in unserem Führer, so dass wir fast als einzige diese 300 m unter unsere Füsse nahmen. Von den unzähligen Guides und Verkäufern von üblem Ramsch ganz zu schweigen. Auch die Muezzins, welche um 0445 das erste Mal zum Angriff sangen, vermissten wir vorher in der Wüste nicht.

Luxor besteht wie wohl jeder touristische Ort in Ägypten aus zwei Seiten: die glamouröse Scheinwelt auf der einen Seite, welche dem Touristen präsentiert wird und das wahre Ägypten, welches sich hinter diesen Fassaden abspielt. Die Tausenden, Millionen von Pauschalreisenden, welche in den Autobussen herangekarrt werden, sehen von dem wahren Ägypten kaum etwas. Flugzeug – Car – Hotelkomplex – Luxortempel – Car – Hotelkomplex – Badestrand – Flugzeug. Aber ein Souk oder die staubigen, manchmal stinkenden hinteren Gassen von Luxor, wo die Einheimischen leben, bleiben ihm verborgen. Einmal zu 15. in einem kleinen Minibus unterwegs zu sein, ist ebenso ein Erlebnis, wie direkt aus einem Loch in der Wand Brot einzukaufen (wir sahen nur, dass Leute vor einer Hauswand Schlange standen und merkten erst nach längerem Hinschauen, dass sie dann mit Fladenbrot wieder weggegangen sind).

Nach dieser Portion Kultur und Tourismus feierten wir am 17. Dezember Corinnes Geburtstag. Gerry’s Landy wollte nicht so recht mitfeiern und streikte zuerst einmal. Irgendwas mit der Diesel-Zufuhr war nicht ganz so, wie es sein sollte, so dass der gute alte Pumba nur etwa 2 Meter zurücklegte und danach streikte. Dank Allah, Internetrecherche und Hilfe von Dotschli durch Anschleppen rollten wir dann zwei Stunden Verspätung doch noch vom Hotel-Hof und fuhren nach Assuan. Mr. Salah, der Schiffs-Organizer der Überfahrt nach Wadi-Halfa war leider nicht im Büro, so dass wir uns einen Platz am Nil für die Nacht gesucht haben. Bei schönster Kulisse feierten wir Corinnes Geburi mit einem echten schweizer Fondue und einem Schluck Kirsch – Happy Birthday!


Nun bereiten wir uns mental auf die knapp 2 tägige Überfahrt von Assuan nach Wadi Halfa vor….und ziehen nach einem Monat in diesem Land ein

Fazit Ägypten:

Ein Monat in Ägypten ist nicht genug! Insbesondere weil wir oft den uns-über-das-Ohr-hauende-Typen sagen mussten, wir seien schon 3 Monate hier und würden die Preise kennen und nicht 10 Pfund für 5 Bananen zahlen! Oder bis wir endlich die richtige ÖV-Strategie vom Camping bis ins Zentrum von Kairo (2x Minibus à 75Piaster und 1x Metro à1Pfund) kannten, anstatt das teure Taxi zu nehmen…Darum braucht dieses Land viel Zeit. Aber natürlich auch wegen der grandiosen Unterwasserwelt (wir vermissen sie jetzt schon ;-), der verschiedenen Wüstenlandschaften und Oasen und nicht zuletzt wegen den spannenden Erlebnissen mit den Leuten und ihrem Alltag. Manchmal fühlten wir uns wie in Bethlehem`s Zeit zurückversetzt, manchmal staunten wir ob der fortschrittlichen Aufmachung junger Ägypterinnen. Kulinarisch könnten wir noch lange in Ägypten bleiben. Das Fladenbrot und die super feinen Falaffeln sind uns noch nicht verleidet. Die klimatischen Verhältnisse haben wir uns leicht anders vorgestellt. Dass es in der Wüste kalt werden kann- o.k. aber sooo kalt: mit Socken, langer Hose, Pullover und Mütze im Schlafsack unter dem Duvet im Dachzelt…und immer noch geschlottert…so habe ich mirs dann doch nicht vorgestellt. Wir hoffen jetzt auf den Sudan ;-)!

Montag, 22. November 2010

Jordanien

12.11.10 – 23.11.10

Nach einer vermeintlich ruhigen Nacht an einem kleinen Fluss (die Nebenstrasse entpuppte sich auch in der Nacht als stark befahrene Strasse) stand als erstes Highlight das tote Meer auf dem Programm. Bereits von weitem waren die Hotelkomplexe sichtbar – wir entschieden uns für eine Anlage ohne Hotel: nur Pools und Süsswasserduschen standen für einen nicht gerade billigen Eintritt zur Verfügung. Da das Wasser des toten Meeres derart salzig und ölig ist (30 % Salzanteil!), muss man sich nach einem Bad rasch mit Süsswasser abduschen. Daher konnten wir nicht einfach irgendwo halten und uns niederlassen. Wir spielten Touristen, bezahlten brav den Eintritt (15 Dinar pP=ca.22.-) und genossen das einmalige Gefühl, im warmen Wasser nicht unterzugehen. Auch war darauf zu achten, dass kein Wasser in die Augen oder Mund drangen. Unbeschwertes Baden und Herumplanschen waren daher nicht angesagt. Nach dem Bad versuchten wir in einem Hotel ins Internet zu gehen. Fehlanzeige. Nur Hotelgäste waren willkommen. Fränzi hat es dennoch geschafft und einen Pförtner überredet, uns einzulassen. In einem 5-* Bunker haben wir dann das superschnelle WLAN im Business-Center benutzt und den ersten Bericht über Syrien hochgeladen. Die Nacht verbrachten wir unterhalb der Hauptstrasse, die sich vom toten Meer auf die Hochebene hinaufschlängelt: super Aussicht aufs Meer und Israel. Kaum zu glauben, dass wir uns so nahe an einem Krisengebiet befinden.

Die Tage sind ziemlich kurz: bis wir zmörgelet haben und abfahrbereit sind, ist meist um 10 Uhr. Da die Sonne schon um 16 Uhr untergeht, versuchen wir jeweils, unser Nachtlager bereits ab 15 Uhr erreicht zu haben, damit wir noch bei Tageslicht kochen können.

Als nächstes grosses Ziel war Petra an der Reihe. Wir fuhren südwärts durch abwechslungsreiche Landschaft, hügelig, aber immer trocken. Das Fahren, die Hitze und der Wind machten uns schnell müde, so dass wir rasch wieder eine Pause einlegten. Unser Nachtrastplatz wählten wir am Muijb Stausee. Ausser den lästigen Fliegen wiederum ein Traumplatz. Bauernfamilien pflanzten in der Umgebung des Sees Tomaten an und pumpen das Wasser zu deren Bewässerung mittels Diesel-Generatoren an die Hänge des Wadis hoch.

Am nächsten Morgen machten wir Halt oberhalb des Wadis bei einem Jordanier namens Samy, der an super Lage ein Café führt. Er sprach fast perfekt englisch und bot uns an, bei ihm Gast zu sein „like brothers and sisters“. Wir fühlten uns wohl und sagten zu. Den Nachmittag verbrachten wir mit seinen zwei Söhnen am Wadi-Bach beim Baden in einer – naja, sagen wir mal nicht schweizergewöhnten – Kloake. Zum Znacht hat Samy Fladen, Chicken und Tomaten auf dem Grill bereitgemacht. Den Abend verbrachten wir mit ihm und seinen Verwandten in seinem zeltähnlichen Lager. Die Nacht war schlimm: starker Wind schlug das Tuch des Dachzeltes dauernd an das Gestänge, so dass wir kaum schlafen konnten. Am nächsten Morgen, als es darum ging, zu bezahlen, sagte uns Samy, dass wir den Betrag selber festlegen könnten. Wir haben überlegt und ihm einen für hier nicht kleinen Batzen angeboten, welcher er jedoch abgelehnt hat. Zudem schenkten wir ihm typ.schweizer Mitbringsel (schw.Sackmesser, Schoggi und ein Karabiner). Fränzi hat ihn dann zur Rede gestellt und herausbekommen, dass er etwa das Dreifache von uns haben möchte. Fazit der Geschichte: nix von brother und sister – dreiste Abzocke und wir sind wiedermal hineingefallen und haben sogar bezahlt. Schade um die Schoggi (Corinne) und das Sackmesser (Adi). Doch wir sind lernfähig …;-).

Weiter gings südwärts ins Dana Wildlife Resort. Dieses kleine Dörfchen klebt am Eingang eines Wadis wunderschön gelegen. Wir übernachteten oberhalb des Dorfes und machten tags darauf eine schöne Wanderung in die Schlucht hinunter. Die Weiterfahrt führte uns nun zum nächsten Jordanien-Highlight: Petra. Auch wenn hunderte wenn nicht tausende Touristen diese Stadt pro Tag besuchen und der Eintritt nicht gerade billig ist, lohnt sich ein Besuch allemal. Die Bilder sprechen für sich...

Nach Petra sind wir weiter südwärts gefahren Richtung Wadi Rum. Wir haben unsere Vorräte aufgestockt (Gemüse, Früchte, Fladenbrot, Wasser…), damit wir ein paar Tage autark in diesem Gebiet unterwegs sein können. Am Visitor Center habe ich vorerst nur für die Personen ein Ticket gelöst – der Pförtner wollte jedoch auch eines für Dotschli sehen, so dass ich wieder rückwärts fahren musste. Zu wenig aufgepasst – bums – autsch – bin ich in das hintere Fahrzeug hineingefahren. Es war ein japanischer Tourist mit einem Leihwagen. Innerlich sah ich schon ein Film von Polizeistationen und endlosen Verhandlungen in mir ablaufen, doch es kam anders: sofort kamen ein paar Einheimische hergerannt und haben mir klargemacht, dass es nichts gemacht habe und wir weiterfahren sollten: „Jallah, jallah, no problem, no problem“. Der Japaner hat auch nicht reagiert und so war die Angelegenheit erledigt, auch wenn die Motorhaube des Leihwagens nicht mehr ganz so ausgesehen hat wie vorher. Aber was macht das schon: welches Auto hat hier KEINE Beulen? Mit weichen Knien bin ich damit nochmals glimpflich davon gekommen...danach hiess es das erste Mal artgerechtes Halten von Dotschli: Luft aus den Reifen lassen und ab in den Sandkasten des Wadi Rum.


Unglaubliche Landschaft! Diese Felsformationen ragen hunderte Meter aus dem Sand empor, ein natürliches Labyrinth von unglaublicher Schönheit. Wir haben uns ein Plätzchen gesucht, eine Outdoor-Dusche genossen und Abendessen gekocht. Der Vollmond beleuchtete die Landschaft auch nachts derart hell, dass wir ohne weiteres hätten Wandern können. Den Spaziergang verschoben wir jedoch auf den nächsten Morgen, wo wir zuerst zu Fuss die nähere Umgebung erkundet haben.

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir im wunderschönen Wadi Rum: mehrstündige Wanderung zur Burdah-Bridge (inkl. Suche des nicht ganz so einfach zu findenden Weges) und weiteren schönen Orten. Beeindruckend waren die absolut stillen Nächte, welche wir bisher auf dieser Reise noch nie so erlebt haben. Kein Muezzin, keine Hunde, kein Lärm der Strasse, einfach nur NICHTS ausser dem Wind. Weiter haben wir unsere Outdoor-Bäckerei in Betrieb genommen: Corinne hat Teig geknetet und wir haben jeweils am Morgen in der Bratpfanne frische Fladenbrote gebruzzelt.

Nun sind wir heute vom Wadi Rum nach Aqaba gefahren und haben das Fährticket nach Nuweiba, Ägypten gekauft. Reine Abzocke, aber hier führen keine verschiedenen Wege nach Rom, wir müssen da rüber, amen. Nun haben wir die letzten Dinar im Restaurant verspiesen und sind gespannt, was Ägypten uns bietet. Natürlich freuen wir uns besonders auf den Aufenthalt bei Anne in Dahab!




Fazit Jordanien:

"Hello! From where are you? Oh, Swissra!! Welcome here in Jordan!!!" Das heisst, meistens sehr höfliche, neugierige (v.a. die Autos betreffend) und hilfsbereite Menschen. Die Polizei hat uns nur rausgewunken, um unsere 4-rädrigen Gefährten zu bestaunen. Landschaftlich hat Jordanien einiges zu bieten und ist deutlich abwechslungsreicher als Syrien. Insbesondere Petra und das Wadi Rum haben uns sehr gefallen. Leider sind die Preise hier fast wie zu Hause . Kulinarisch haben wir uns mehrheitlich mit den verschiedensten Arten von Fladenbroten und ihrer kurzen Haltbarkeit auseinandergesetzt.

Sonntag, 14. November 2010

Tessin, Italien und Syrien

Tessin bei schlechtem Wetter und Saukälte: da muss man sich was einfallen lassen, wenn man in einer Einzimmerwohnung auf 4 Rädern lebt. Hauptattraktionen waren ein warmer Kaffe / Schokolade im Mc Donalds, inklusive gratis WLAN. Zur Abwechslung und Steigerung der hygienischen Verhältnisse verbrachten wir den Sonntag-Nachmittag im Hallenbad Lido. Als Abschluss des Tessin-Aufenthaltes durften wir die grandiose Aussicht vom Monte Generoso geniessen. Am nächsten Morgen passierten wir mit mulmigen Gefühlen die Grenze nach Italien – der Beamte schien sich zum Glück herzlich wenig für die teils nicht ganz so legalen Anbauten am Auto zu interessieren. Weiterfahrt an den Gardasee nach Lazise, ein sehr touristischer aber sympathischer kleiner Ort.

Erste Nacht auf einem Camping, endlich wieder Sonne und entsprechende Auslüftung der Handtücher, Kleider und Bettwäsche. Corinne widmete sich tapfer den ersten Näh-Arbeiten an Dachzelt und Kleidern und ich dem Coleman-Kocher, damit die Pfannen während dem Kochen nicht immer das Weite suchen, wenn das Auto nicht ganz gerade steht.….am folgenden Tag stand ein Spaziergang entlang dem See auf dem Programm, bevor wir wieder Asphalt unter die Räder nahmen und auf der Autobahn nach Venedig fuhren. Fazit nach einem Tag Venedig: Regen, Regen, Regen, kalt, aber trotzdem Unmengen von Touristen. Keine Gummistiefel = nasse Füsse. 2.5 dl Cola und ein kleines Bierchen = 20 CHF. Offensichtlich sind Backpacker und Picknicker nicht sonderlich erwünscht. Bänkli zum Sitzen fehlen (vor allem am Trockenen….) gänzlich. Ansonsten ist die Stadt wunderschön und wirklich ein Besuch wert.

Am 02.11.10 sind Fränzi und Gerry auf dem Camping eingetroffen und haben uns mit Salbe, Windabweisern fürs Auto und natürlich Schenkeli und Schoko-Torte eingedeckt. Herzlichen Dank, liebe Eltern und Michel! Ein letzter Einkauf und dank GPS den Hafen auf Anhieb gefunden. Nun erfolgte die Registrierung /Abfertigung im Hafen, wo wir schon allerlei erlebt haben: ein Ägypter (lebend in Belgien aber mit franz. Kennzeichen am Auto) mit seiner familiären Entourage unterhielt uns mit seiner Art bestens: seine Frau ersuchte um Frischwasser für die Goldfische, welche im Tupper mit auf die Reise kamen (und wohl schon jetzt nicht mehr leben…), er selber zog sich eine Leuchtweste an und wirkte damit und seiner nervösen Art wie ein Hafenarbeiter der Schiffsgesellschaft, um schneller die Abfertigung hinter sich zu bringen. Die unzähligen Kinder lärmend um die überforderte Mutter herum…Die Abfertigung ging gut und schon bald konnten wir auf die Fähre fahren. Eine grosse Kabine und moderne Ausstattung der Fähre gestaltete die Überfahrt sehr angenehm.

Auch über das Essen konnten wir uns nicht beschwerden – im Gegenteil. Vorspeise, primo und secondo piatti, eine Frucht und ein Getränk. Chaotisch war nur der Umstand, dass niemand so genau wusste, was nun alles in der Vollpension inbegriffen war und was nicht, weil nicht alle Speisen inbegriffen waren. Joghurt UND Orangensaft zum Zmorge ging beispielsweise nicht. Und ein Gipfeli UND ein Brötli auch nicht, die Konfitüre dazu schon gar nicht, aber das wusste natürlich nur der glatzköpfige Officer mit der wichtigen Brille an der Kasse, der dies dann wichtig mitteilte und so jedem Passagier einzeln erklären musste, dass dieses und jenes nun extra kosten würde. Dass damit die Schlange hinter dem Buffet immer länger wurde, interessierte natürlich niemanden…Die Tage auf dem Schiff vergingen rasch – lesen, lesen, lesen, Karte und Reiseführer studieren und langsam die Wärme geniessen.

Die Einfahrt nach Tartous verlief unspektakulär. In der Zoll-Halle ging jedoch dann der Marathon des Einreise-Zirkusses los: Stempel hier, Steuern zahlen da, nächster Stempel (Stempel sind sehr wichtig!) am andern Schalter, tausend Papiere, ein riesen Gnusch! Die Beamten waren freundlich und hilfsbereit, so dass wir nach ca. 3 Stunden frei waren und das Hafengelände verlassen konnten. Nach einer Tank-Pause (130 Liter für ca. 50 CHF!) peilten wir eine Burg namens Crak de Chevalier ca. eine Autostunde im Landesinnern an. Erste Übernachtung auf einem Campingplatz, wo wir auch ein feines syrisches Znacht genossen haben. Die Sonne ging leider schon um 16 Uhr unter, ab 1630 Uhr finstere Nacht…

Nach einem ausgiebigen Zmorge sahen wir uns die Burg „Crac de Chevaliers“ an und fuhren dann weiter nach Palmyra, einer ehemaligen römischen Handelsstadt, wo noch viele Ruinen recht gut erhalten sind. Wir haben den einzigen Campingplatz gesucht und nach einem unfreiwilligen Abstecher in ein Hinterquartier des Ortes dann auch gefunden. Wunderschön gelegen hinter einem römischen Tempel in einem Palmenhain. Da wir in der Schweiz recht viele syrische Pfund gewechselt haben und aufgrund der hohen Diesel-Steuer (100 US-Dollar pro Woche!) wohl nur eine Woche in Syrien bleiben und ein Wechsel in jordanische Währung nicht möglich sei (?), „müssen“ wir halt nun das gewechselte Geld ausgeben...;-)

Am nächsten Morgen haben wir extra früh den Wecker gestellt und sind um 0445 aufgestanden, um den Sonnenaufgang zu bewundern. Leider nix gewesen: ein Sandsturm verdeckte die Sonne fast gänzlich, so dass wir uns wieder in die Betten verkrochen haben…den Tag verbrachten wir mit der Besichtung der eindrücklichen Tempelanlage von Palmyra: wahnsinnig, was die Römer alles gebaut haben! Tags darauf fuhren wir weiter Richtung Damaskus und machten Halt bei dem Kloster „Dair Mar Musa“, wo wir einen Mönch aus Effretikon getroffen haben. Er ist vor 16 Jahren aus der Schweiz ausgewandert und lebt nun hier in diesem abgelegenen Winkel von Syrien in diesem Kloster. Spannend, was er alles über das Kloster zu erzählen wusste. Die Nacht verbrachten wir nicht weit davon abgelegen an einem Hügel mit wunderschöner Aussicht. Nun lag Damaskus vor uns: Verkehrs-Chaos, Hitze, Abgase und ein recht trauriges, ärmliches Bild der Vororte prägte den ersten Eindruck dieser Millionenstadt. Den Campingplatz fanden wir nur schlecht als recht, auch mit GPS suchten wir recht lange, bis wir endlich das Schild gefunden haben. Der Verkehr forderte von den Fahrern recht viel Nerven…Mit dem Taxi gings nach einer ersehnten Dusche in die Innenstadt – die Augen brannten von den Abgasen der Autos – wir haben so etwas noch nie erlebt. Suqs, Moscheen und ein Handwerkermarkt – spannend, aber wir waren alle vier nicht sonderlich überwältigt von dieser Stadt, so dass wir tags darauf bereits wieder aufbrachen in den Süden, nach Bosra, wo wir ein römisches Amphitheater besichtigten. Dies jedoch war imposant: 15'000 Sitzplätze, eine eindrückliche Kulisse und dies alles noch recht intakt! Alle 2 Jahre finden dort noch heute Musik Festivals statt. Die überschüssigen syrischen Pfund haben wir bei einem Restaurant in US-Dollar gewechselt – zu einem unglaublich guten Kurs ;-(….Weiter gings tags darauf an die syrisch-jordanische Grenze, wo wir erneut das Grenzübergangsprozedere in Angriff nahmen. So langsam wussten wir: Ausreisestempel, Carnet abstempeln, Gebühren zahlen, Versicherung abschliessen….was wir jedoch nicht wussten: die Ausreise von Syrien ist nicht gratis. Leider hatten wir keine syrische Währung mehr, so dass wir wieder zur Bank pilgerten und zu einem weiteren unglaublichen Wechselkurs Euro in syrische Pfund wechselten. Nach zwei Stunden hatten wir jordanischen Boden unter den Füssen.

Unsere Ausrüstung hat sich bislang bewährt – Dotschli fährt und fährt und säuft und säuft: erstaunlich, der Unterschied zum Landrover Defender von Fränzi und Gerry! Bei Steigungen hat der alte Saugdiesel seine liebe Mühe, die 3. 5 Tonnen in Fahrt zu halten, so dass wir regelmässig auf ca. 40 km/h zurückfallen und selbst von Lastwagen überholt werden. So langsam werden die Temperaturen auch Dachzelt-tauglich, so dass wir nicht mehr Schlafsack UND Daunenduvets brauchen, um in unserem Himmelbett nicht zu frieren.

Fzit Syrien: das Land bietet für archäologisch und geschichtlich interessierte Leute sehr viel – für uns jedoch hinterliess Syrien nicht ein „Wow, da gehen wir wieder hin“. Das Land ist – jedenfalls was wir gesehen haben – eben, die Natur wird arg gebeutelt, der Abfall wird im Strassengraben entsorgt oder in Fässern, welche dann in Brand gesteckt werden. Kulinarisch hat uns die syrische Küche zugesagt: Fladenbrot und mehrere kleine Tellerchen mit eingelegten Gemüsen, Saucen oder Erbsenpüree als Vorspeise gefolgt von Reis, Kamelfleisch, Poulet und Gemüsen. Nun sind wir gespannt, was Jordanien bietet.

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